Josef Hofbauer Naturfreunde zeigen sich entsetzt. Im Stadtwald zwischen der unteren Forststraße und dem "Debert" wurden große Laubbäume gefällt. Die Rotbuchen, Eschen, Eichen und Aspen, die der Säge zum Opfer fielen, standen im vollen Laub. "Eine Respektlosigkeit gegenüber der Schöpfung", empört sich ein Augenzeuge über den Zeitpunkt mitten in der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit von Sing- und Greifvögeln, während der Aufzucht von Eichhörnchen und anderen Tieren.

Verwundert zeigt sich ein Wanderer über die Rodung von mehreren hundert Quadratmetern Waldfläche. "Das sind doch gesunde, vitale Bäume, ohne jegliches Anzeichen von Rot- oder Weißfäule und Schädlingsbefall. Und sie standen auf stabilem Boden."

Bei der Stadt Ebermannstadt, der der Stadtwald gehört, verweist ein Mitarbeiter auf die Zuständigkeit der Revierförsterin Rita Satzger. Sie sei für die Pflege des Waldes verantwortlich.

Auch sie habe wegen des Kahlschlages Anrufe bekommen, räumt die Försterin ein. Sie zeigt auch Verständnis für den Unmut der Bürger. "Ich verstehe, dass es da einen Aufschrei gibt", so Satzger. Ihr wäre es auch lieber gewesen, wenn dieser Eingriff im Spätherbst oder Winter hätte stattfinden können."Aber ich musste handeln", betont die Försterin mit Hinweis auf die Verkehrssicherungspflicht. Die Frühjahrsstürme hätten einige Bäume umgeknickt oder in eine gefährliche Schräglage gebracht. "Die Bäume drohten auf die angrenzende Bebauung zu stürzen." Besonders eine große, mehrfach verzweigte Buche habe eine Gefahr für das darunter liegende Haus dargestellt.

Fällung unvermeidbar

Einzelne Bäume zu entnehmen sei deshalb nicht sinnvoll gewesen, weil die es gewohnt waren, eng zu stehen. Fehlten die Stützen, sei die Gefahr, dass Bäume durch einen Sturm knicken, sogar noch größer.

Hinzu komme: Die Rahmenbedingungen verschlechterten sich. "Wir müssen mit immer mehr Stürmen rechnen" betont Satzger. Einem gesunden Waldbestand machten solche Stürme nichts aus, aber Bäume am Waldrand in unmittelbarer Nachbarschaft der Bebauung stellten ein nicht kalkulierbares Gefahrenpotenzial dar. Die Abholz-Aktion während der Vegetationsperiode hänge auch damit zusammen, dass forstwirtschaftliche Unternehmen früher keinen Termin frei gehabt hätten. "Auch hier herrscht das Gesetz von Angebot und Nachfrage" unterstreicht Satzger, in deren Revier der Waldrand des Stadtwaldes im Gebiet Debert nicht die einzige Problemzone darstellt. Auch in Gasseldorf seien Wohnhäuser zu nahe an den Wald gebaut worden. "Die Verkehrssicherung dort will ich aber so lange wie möglich hinauszögern", betont die Försterin. Aber der Sicherheitsstreifen zwischen Bebauung und Wald müsse einfach frei bleiben.

Behördlich genehmigt

Rita Satzger versichert: Der Kahlschlag am Rande des Debert sei mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes abgesprochen gewesen. Vor der Rodung habe sie auch beobachtet, ob in einem der Bäume Vögel nisteten, ob sie irgendwo ein- und ausfliegen. Erst als sie sicher war, dass hier nichts zu befürchten sei, habe sie grünes Licht gegeben. Bei den Rückegassen, die für den Abtransport der Stämme angelegt werden mussten, sei soweit möglich auf die Tier- und Pflanzenwelt Rücksicht genommen worden.

Kontraproduktiv?

Christian Kiehr von der Ortsgruppe Ebermannstadt des Bund Naturschutz zweifelt nicht an der Notwendigkeit der Maßnahme. "Ich hätte mir aber gewünscht, dass nach der notwendigen Fällung jetzt im Frühjahr, die Schneise erst im Herbst angelegt worden wäre, um die aufgearbeiteten Stämme den steilen Hang hochzuziehen." Eventuell brütende Vögel in diesem Areal wären so besser geschützt worden.

Ein Kritiker der Abholzung verweist darauf, dass der Hang nach Westen ausgerichtet sei und somit der Hauptwindrichtung entgegen stehe. Durch die Schaffung der Lichtung sei dem Wind nun erst Recht eine Angriffsfläche geboten worden. Weiterer Baumwurf sei somit bei Stürmen vorprogrammiert. Dies sei insofern kontraproduktiv, als der Stadtwald unterhalb von Wallerwarte und Schlüsselstein vor Jahren als Schutzwald ausgewiesen worden sei. Dies erfordere von der Forstwirtschaft besondere Vorgehensweisen und Verhaltensmaßnahmen.