Zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilte die Jugendkammer am Landgericht Nürnberg einen zuletzt in Lichtenfels wohnhaften 20-Jährigen. Das gestern gefällte Urteil lautete auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

Der junge Mann, ein anerkannter Asylberechtigter aus Syrien, hatte am Silvestertag 2017 im Raucherbereich einer Nürnberger Discothek einem Mann einen Stich in die Brust versetzt, der nur knapp das Herz verfehlte. Zudem durchtrennte er ihm einen Kaumuskel und legte den Knorpel am linken Ohr frei. Ein nebenstehender Mann wurde an der Hand verletzt. Das Gericht hatte über 20 Zeugen zu dem Vorfall gehört und war entgegen der Anklage nicht zu dem Schluss gekommen, dass es sich um versuchten Mord handelte. Das Opfer arglos, der Angriff mit Heimtücke ausgeführt - diese Tatmerkmale sahen die Richter nicht als gegeben, nachdem es zwischen den beiden Männern zuvor schon ein Gerangel mit Schubsen und einem beleidigenden Ausspruch des 20-Jährigen gegeben haben soll.

Kein Mordversuch

Die Staatsanwaltschaft hatte das anders gesehen und sieben Jahre und sechs Monate Haft gefordert.

Indem das Gericht nicht versuchten Mord annahm, ist es zumindest teilweise der Verteidigung gefolgt. Diese sah den Tathergang nicht als gänzlich geklärt an. Der Täter hatte ebenfalls eine Verletzung davongetragen, am Oberarm, doch wie es zu dieser kam oder ob er sie sich womöglich selbst zugefügt hatte, blieb offen.

Tatwaffe verschwunden

Von der Tatwaffe fehlte jede Spur. Doch dem ärztlichen Gutachten zufolge handelte es sich um ein Messer mit einer Klingenlänge von fünf bis sieben Zentimetern.

Der syrische Flüchtling, der seit der Tat in Haft ist und nun auch bleibt, hatte sich nur dahingehend geäußert, dass er ohne nachzudenken zugestochen, sich "gewehrt", habe.

Dass der Heranwachsende, dessen Verwandte dem Vernehmen nach in einem anderen Bundesland leben, nicht besonders gut integriert ist, war ein Umstand, der zur Kenntnis genommen wurde. Doch Milde gestimmt wurden die drei Berufs- und zwei Laienrichter wohl vor allem deshalb nicht, weil der junge Mann schon einmal wegen eines Körperverletzungsdeliktes verurteilt worden war.

2017 schon einmal vor Gericht

Auch damals war ein Messer im Spiel gewesen, und der Richterspruch des Amtsgerichts Kronach lag erst wenige Monate zurück, als es zu der schwerwiegenderen Tat in Nürnberg kam. Der Verurteilte stand zu diesem Zeitpunkt noch unter Bewährung.

Alkoholkonsum dürfte nicht relevant gewesen sein, denn das Ergebnis der Blutentnahme etwa eineinhalb Stunden nach der Tat lautete 0,0 Promille. Der Mann wurde als voll schuldfähig erachtet.

Die Strafe aus dem Jahr 2017 - ein Jahr und sechs Monate Haft - ist in die gestern gebildete Gesamtstrafe eingeflossen. Wie zu hören war, soll der junge Mann sich auch während der Untersuchungshaft nicht zurückgehalten und insofern kein gutes Bild abgegeben haben.

Es obliegt dem 20-Jährigen nun, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen, ansonsten würde es rechtskräftig. pp