"Junge Menschen an den Geschicken der Kommune zu beteiligen ist nicht nur Wunsch vieler Jugendlicher in unserem Landkreis, sondern
kann ebenso ein Standortvorteil für Kommunen sein." Mit diesen Worten lud Landrat Thomas Bold die Bürgermeister und Jugendbeauftragten in den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes ein.
Zunächst informierte der Experte für digitale Bildung, Alexander Schmieden, von der Firma just ask! aus Maßbach über die Chancen einer digitalen Beteiligung junger Menschen und zeigte Vorschläge auf, wie diese in der Kommune gelingen kann. Zur Veranschaulichung bezog er dabei digitale Umfrage-Apps in seine Präsentation mit ein.


Jugendliche kamen zu Wort

Außerdem kamen Jugendliche selbst in einer moderierten
Gesprächsrunde zu Wort. So waren aus der Stadt Bad Kissingen drei junge Menschen aus dem Jugend- und Kulturzentrum gekommen, um den Teilnehmern von ihren Erfahrungen mit Beteiligung im Rahmen des Filmteams "Bad Kissingen TV" zu berichten. Darüber freute sich auch das Stadtoberhaupt, denn die Stadt investiert gezielt in die
Jugendbeteiligung: "Wir sind froh über die Gelegenheit, einen
Jugendbeirat als beratendes Organ in Jugendfragen nutzen zu
können, und das tun wir auch" stellte Oberbürgermeister Kay
Blankenburg fest. Man sei gut aufgestellt hinsichtlich der Einbeziehung junger Menschen über den Beirat, aber es gäbe auch hier noch Spielraum, stellte er fest.
Daneben ging es bei der Fachveranstaltung um die Erfahrungen mit neuen Beteiligungsprojekten, unter anderem Münnerstadt und Geroda-Platz, aber auch Wildflecken und Bad
Brückenau. Hier konnte das Regionalmanagement des Landkreises mit seinem Projektmanagement Demographie in den vergangenen drei Jahren wertvolle Erfahrungen sammeln: Was funktioniert in der Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und was geht eher nicht, wenn eine Stadt oder Gemeinde ihre jungen Menschen in die Gestaltung einbeziehen möchte. "Wenn der Bürgermeister seine
Jugendlichen persönlich einlädt und mit Vornamen anspricht. Das funktioniert gut", ist beispielsweise die Erfahrung von Bürgermeister Alexander Schneider aus Geroda-Platz.
In dem Markt hat sich vor zwei Jahren ein Jugendrat gebildet, der zum Beispiel einen Grillplatz geplant und verwirklicht hat. Heute ein schöner Treffpunkt im Freien für alle Generationen zum Grillen oder Picknicken. Dem kann sich auch der Stadtjugendpfleger von Münnerstadt und Mitarbeiter von Pro Jugend, René Felcht, anschließen: In Münnerstadt hatte Bürgermeister Helmut Blank zwei Jahre in Folge die Jugendlichen persönlich eingeladen. Jedes Mal waren sie gekommen, um zu sagen, was fehlt und um eigene Projekte zu gestalten, wie zum Beispiel ein Fest für junge Menschen und einen eigenen Stand beim Stadtfest.
Zur Behandlung dieses Themas war Regina Renner vom Bayerischen Jugendring angereist. Die Referentin widmete sich abschließend der Frage, wie kann digitale Beteiligung gelingen, ohne Verwaltung sowie Stadt- und Gemeinderat zu überfordern, und wie nützlich kann dabei das Internet sein? Die Referentin hatte unter anderem im Landkreis Bad Kissingen zwischen 2016 und 2017 im Rahmen einer Studie die politische Beteiligung junger Menschen im Internet erprobt. Sie erläuterte noch einmal, wie wichtig die Kombination von realer und virtueller Beteiligung sei. Außerdem ging sie auf die Erfolgskriterien für Jugendbeteiligung ein.
Alle Teilnehmer des Nachmittags erhielten die eigens dafür angefertigte Broschüre "Neue Formen der Jugendbeteiligung in Städten und Gemeinden". Darin gibt es einen umfassenden Überblick über die durchgeführten Maßnahmen und gewonnenen Erkenntnisse. Die Broschüre wird außerdem im Nachgang an die Stadt- und Gemeinderäte im Landkreis verteilt.
Als Ausblick unterbreitete die Leiterin des Regionalmanagements, Cordula Kuhlmann, das Angebot an die Städte und Gemeinden, sich als Pilotkommune für digitale Jugendbeteiligung zu bewerben und dabei in den weiteren Schritten durch das Regionalmangement des Landkreises begleitet zu werden.
Melanie Hofmann