Es ist soweit, die Bundestagswahl steht vor der Tür. Zeit, sich Gedanken über das richtige Kreuz zu machen. Doch irgendwie macht es den Anschein, die Wahl sei längst entschieden. Debatten über den Wahltag sind im Fernsehen präsenter als am Stammtisch.
Dabei betrifft die Wahl eben nicht nur die, deren Köpfe auf Wahlplakaten nach unserer Aufmerksamkeit lechzen. Sondern auch uns. Sie und mich. Die Frage, wen ich wählen werde, war ziemlich schwer zu beantworten. In diesem Jahr darf ich zum dritten Mal das Bundesparlament wählen. Und ich habe das Gefühl, dass es mir noch schwerer fällt eine Entscheidung zu treffen, als in den Jahren zuvor.
Ich habe den Wahl-o-Mat gemacht, habe Parteiprogramme gelesen, habe alte Abstimmungsergebnisse verglichen. Und irgendwie hatte ich bei jeder Partei etwas auszusetzen. Da liegt der Gedanke nah zu sagen, "die Politiker machen doch sowieso was sie wollen" oder "meine Stimme ändert doch eh nichts am Ergebnis".
Vermutlich würde das Ergebnis der Bundestagswahl tatsächlich ganz genau gleich ausfallen, bis auf den letzten Prozentpunkt gleich, wenn ich mein Kreuz nicht mache. Aber wenn so alle denken würden, was dann?

Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, in dem ich die Politik mitgestalten kann. Und auch wenn ich mich selbst bei keiner Partei engagiere und auch mit keiner eine hundertprozentige Übereinstimmung habe, so habe ich meine beiden Kreuze (per Briefwahl) aus Überzeugung gemacht. Aus der Überzeugung heraus, dass Demokratie nur dann richtig funktioniert, wenn die Bürger ihr Wahlrecht wahrnehmen. Es ärgert mich, dass vor der Wahl schon suggeriert wird, dass eh alles gelaufen ist, dass die Wahl schon entschieden ist. Ich wähle aus Überzeugung, weil ich an die Demokratie glaube. Wer nicht wählt, der darf sich nicht darüber aufregen, wenn die nächsten vier Jahre etwas anders läuft, als er es sich wünscht. Der darf sich nicht aufregen, wenn bei uns etwas ähnliches passiert wie in den USA oder Großbritannien. Wenn auf einmal Trump Präsident wird und Großbritannien aus dem Euro austritt. Deshalb: Gehen Sie zur Wahl, machen Sie ihre beiden Kreuze.