Bernhard Panzer Große Aufgaben rollen auf die Stadt und ihren Verkehrsbetrieb zu. Denn ab 2021 soll für die kommenden zehn Jahre das Stadtbussystem auf neue Räder gestellt werden. Wie das aussehen könnte, welche Routen die Busse nehmen sollen und was das alles in etwa kostet, darüber machten sich die Mitglieder des Planungsausschusses am Montagabend ein erstes Bild.

Bis zum Juli will man soweit sein, dass in die Ausschreibung gegangen werden kann, wie Bürgermeister German Hacker (SPD) eingangs informierte. Dann sollte man sich auch darüber einig sein, welche Art von Bussen man denn wolle. Der Begriff Elektromobilität spielte schon in der ersten Debatte eine große Rolle. Ein Beschluss wurde freilich noch nicht gefasst, erst sollen weitere Diskussionen folgen und an einem eigenen Infoabend auch die Öffentlichkeit gehört werden.

Mit der Zusammenstellung beauftragt ist das Nürnberger Büro planmobil. Dessen Mitarbeiterin Natalie Schneider informierte nun über die Ausarbeitung, unterstützt von Martin Messmer von den Herzo Werken. Aus der Bestandsaufnahme, den Fahrgastzahlen und der Entwicklung der Stadt in der nahen Zukunft wurde der Handlungsbedarf in Vorschläge gepackt. Wichtig ist dabei, dass die Stadtbusse im Zusammenhang mit den Regionalbussen funktionieren sollen.

Wenig Diskussionsbedarf gab es zu den Überlegungen, wie denn künftige Strecken verlaufen könnten. Diese Vorschläge decken sich teils mit aktuellen Linien, andere werden erweitert. So soll die Fachklinik einschließlich des Neubaugebietes "In der Reuth" durch den Stadtbus bedient werden. Der Regionalbus, also Landkreisbus, hingegen fährt im Ein-Stunden-Takt in die Ortsteile Hammerbach und Welkenbach, weshalb man sich den Stadtbus dorthin sparen könne. Das schafft dann Kapazitäten für Haundorf und Beutelsdorf.

Länger wurde über die Wahl der Busse gesprochen. Neue Busse sollten es schon sein, sagte Bürgermeister Hacker. Man hätte auch an gebrauchte Fahrzeuge denken können, wie Natalie Schneider erwähnte. Hacker nannte auch den schon mehrfach geäußerten Wunsch nach E-Bussen. Er verschwieg aber nicht, dass dies dann wesentlich teurer käme. Allein in der Anschaffung müsse man den "Faktor 2" ansetzen, von flächendeckend leistungsstarken Ladestationen ganz zu schweigen. Und für kleinere Busse, wie sie die Stadtbusse nun mal sind, gebe es auch kaum Angebote. Die Mitarbeiterin des Planungsbüros ergänzte, dass man bei E-Bussen auch mehr Fahrzeuge bräuchte.

Zweimal Lob vom Gegner

Unterstützung erhielt der Bürgermeister von einem, der ansonsten eher politischer Widersacher ist: Konrad Körner. Der CSU-Stadtrat lobte Hacker ("Wenn auch nicht gerne"), denn es mache Sinn, was er sagt. Auch Körner betonte, dass E-Busse für die Stadt Herzogenaurach momentan "noch keinen Sinn machen". Auch würden Hochleistungs-Ladestationen eine Menge Geld kosten. "Man sollte keine Politik nach dem Wünsch-Dir-was-Prinzip machen."

Und SPD-Fraktionsvorsitzender Curd Blank, der wiederum den politischen Kontrahenten Körner lobte, verwies auf andere Alternativen der Zukunft, wie die Brennstoffzelle. Man sollte sich in punkto Umweltfreundlichkeit nicht auf E-Busse einschießen.

Es gab aber auch andere Meinungen. Sowohl Peter Maier von den Grünen als auch Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff (SPD) hielten es für vernünftig, in Richtung E-Busse zu denken und entsprechend alternativ auszuschreiben. "Am allerliebsten" hätte sie die E-Fahrzeuge, sagte Schroff, auch wenn sie mit einem Hybrid-Kompromiss leben könnte. Bei der Ausschreibung der ersten Stadtbusse habe man E-Mobilität abgelehnt, weil die Technik noch nicht so weit gewesen sei. "Jetzt sind es zehn Jahre später", sagte die SPD-Politikerin.

Auch über die möglichen Kosten wurde gesprochen. Die von dem Büro ausgearbeitete Vorzugsvariante liegt da in der Mitte dreier Berechnungen. Sie sieht den Einsatz von fünf statt vier Bussen im Stadtgebiet und einem weiteren in den Ortsteilen vor. Die Kosten aller Berechnungen liegen bei einer Million Euro pro Jahr aufwärts. Die Kosten pro Kilometer wurden, wie schon 2018, weiterhin mit 2,58 Euro angegeben. Allerdings wird auch mit 3,20 Euro kalkuliert, weil sich die Kosten bis 2031 ja deutlich erhöhen dürften.

Drei Alternativen

Alternativ zur Vorzugsvariante gäbe es noch eine "am Bedarf" ausgerichtete Lösung. Da müsste die Stadt Fahrten des Regionalbusses zukaufen. Nachteil laut Schneider: Die Kosten sind abhängig von der Abrufquote und das könnte bei Zubestellungen ebenfalls richtig ins Geld gehen. Die dritte, teuerste Variante sähe eine optimale Versorgung der Ortsteile vor, ungeachtet der dort geringen Fahrgäste.

Auch darüber äußerte sich Konrad Körner (CSU) in der Sitzung. "Wir planen jetzt den sechsten Herzobus ein, und keiner zuckt", stellte er in der Sitzung fest. Er sei beim Angebot für die Ortsteile zwiegespalten. Körner fragte sich: "Rechtfertigt ein Fahrgast am Tag einen neuen Bus?", und merkte an, dass man für 100 000 Euro für die wenigen Nutzer schon täglich ein Taxi bestellen könnte.

Das Thema ist jetzt in der Startphase, es werden sich noch viele Diskussionen anschließen können, bis ein Beschluss gefasst wird. Die von Natalie Schneider vorgetragene Ausarbeitung des Büros "planmobil" sei jedenfalls "sehr komplex und wohl überlegt", wie Bürgermeister Hacker anmerkte. Er stellte außerdem fest, dass man das alles erst einmal setzen lassen müsse.

Eine Befürchtung indes konnte schon jetzt genommen werden. Obwohl Hammerbach und Welkenbach aus der regulären Stadtbus-Route entfallen, gelte das nicht für Extra-Angebote. Der Kerwabus zur Sommerkirchweih bleibe, wurde auf die entsprechende Anfrage von Curd Blank hin versichert.