Niklas Schmitt "Man kann kaum noch etwas einkaufen, das nicht in Plastik verpackt ist", sagt Thomas Lin. Am eigenen Haushalt haben er gesehen, wozu das führt: "Gefühlt wurde das, was wir an Plastikmüll rausgeschleppt haben, immer mehr", sagt Lin.

Also entschloss er sich mit seiner Frau, eine Alternative zum Plastikeinkauf zu bieten: einen Unverpackt-Laden, der über das Angebot des Wochenmarktes hinaus geht. Den genauen Zeitpunkt der Eröffnung und den Standort will er nicht verraten, da momentan noch die finalen Gespräche stattfinden. Vermutlich wird es aber Mitte nächsten Jahres so weit sein und der plastikfreie Einkaufsmarkt in der Fußgängerzone eröffnen.

Plastikfrei und passgenau

Das Konzept dahinter ist schnell erklärt. Anstatt die über 500 Produkte abgepackt und mitnahmefertig anzubieten, füllt sich der Kunde so viel er braucht in eigene, mitgebrachte Behältnisse. "Wir werden auch entsprechende Behältnisse anbieten", sagt Lin, der um Laufkundschaft und Spontaneinkäufe weiß. Edelstahldosen - "wie früher" -, Gläser, Baumwoll- oder Hanftaschen soll es zu kaufen oder gegen ein Pfand geben.

Dass die Menge frei bestimmt werden kann, führt neben dem Verzicht auf Plastik auch dazu, dass der Kunde nur die Menge einkauft, die er tatsächlich braucht. So würden wesentlich weniger Lebensmittel weggeworfen.

Details müssten aber noch ausgearbeitet werden, sagt Lin. Auch deswegen hat er eine Facebook-Seite gegründet, um für Fragen und Rückmeldungen der künftigen Kunden offen zu sein: "Worauf müssen wir achten", fragt Lin. Um die Arbeitsprozesse zu verstehen, wird er zudem in dem ein oder anderen Unverpackt-Laden mitarbeiten.

Denn: "Das sind schon komplexe Prozesse dahinter." Schließlich gilt das gleiche Prinzip auch für den Wareneinkauf. So wird das Getreide etwa in 25 Kilo schweren Papiergebinden geliefert, die über 100 Mal wiederverwendet werden können.

Weniger gehetzt einkaufen gehen

Die Produktpalette soll möglichst breit und nachhaltig sein. Regional ist Lin wichtig, auch bio sollte es sein, sofern das möglich ist. Dabei macht Lin klar, dass es verschiedene Bio-Siegel mit unterschiedlicher Wertigkeit gibt und dass nicht jedes regionale Unternehmen sich eine solche Zertifizierung leisten will oder kann. Daher schaut Lin genau hin, von wo er seine Produkte bezieht.

Neben Obst und Gemüse wird es verschiedene Sorten Getreide und dessen Produkte, Gewürze, Kräuter und auch Milch zu kaufen geben. Eine kleine Käsetheke ist geplant und natürlich ein Bereich für die Bienenprodukte von Lin selbst. Außerdem sollen Seifen, Kosmetik oder Deo angeboten werden.

Auch wenn das nun so klingt, Lin weiß, dass die meisten nicht ihren Großeinkauf dort machen werden. Deswegen hat er sich bewusst gegen einen Standort außerhalb der Innenstadt entschieden. Ein großer Parkplatz vor der Tür würde der Idee widersprechen.

"Das Konzept passt für uns eher ins Zentrum als in einen Randbezirk", sagt er, der den Laden mit seiner Frau zusammen betreiben wird. Dort hinein passt auch ein kleines Bistro. Denn auch der Einkauf selbst soll sich vom üblichen Gang in den Supermarkt unterscheiden.

Nicht so gehetzt soll es im Unverpackt-Laden zugehen, sodass auch mal eine Nachfrage zu Produkten und anderem möglich ist. So könne man, meint Lin, auch mal den Einkauf ruhig und entspannt genießen.