YouTube ist eher für seinen Unterhaltungswert bekannt: Wie kann man mit den Videos lernen und warum sollten Jugendliche diese Möglichkeit nutzen?

Mirko Drotschmann: "Das Klischee sagt, bei YouTube gibt es nur Katzen- und Schmink-Videos. Das ist schon lange nicht mehr so. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe an Nachhilfe-Videos, Wissens-Videos und informierenden Videos. Und man kann mit diesen Videos lernen, indem man sich zum einen klar macht, es reicht nicht aus, nur mit den Videos zu lernen. Sie sollen einen Impuls oder einen Überblick geben. Und zum anderen sollte man sich klar machen, nicht alles muss stimmen, was man da sieht. Anders als vielleicht in einem Schulbuch gab es in dem Fall niemanden, der das noch einmal überprüft hat, was gesagt wird. Jugendliche sollten diese Gelegenheit nutzen, weil sie kostenlos ist. Und weil die Videos eine gute Ergänzung sind zum Unterricht. Im besten Fall können die Videos auch den Nachhilfe-Unterricht, der eventuell notwendig wäre, ersetzen."

Woran erkennt man gute Videos bzw. was müssen sie leisten? "Ein gutes Video schaut man sich einfach gerne an. Egal ob es ein Wissens-Video oder ein unterhaltendes Video ist, man sollte nicht, wenn man dieses Video schaut, denken: "Boa, ich hab eigentlich gar keine Lust das zu sehen." Außerdem muss der Aufbau logisch sein, es muss eine gewisse Dramaturgie drin sein. Man muss dem Erzählten gut folgen können. Und es sollte im besten Fall am Schluss noch etwas hängen bleiben. Es sollte Inhalte vermitteln, zumindest im Wissensbereich. Es sollte schon der ein oder andere Fakt vermittelt werden, der einen dann am Ende im besten Fall schlauer zurück lässt."

Welche allgemeinen Tipps können Sie zum Thema Lernen empfehlen? "Der wichtigste Tipp ist: Fangt nicht zu spät an. Das ist ganz wichtig, wenn man das beherzigt, hat man schon die halbe Miete. Und dann sollte man sich vor allem auf den Bereich konzentrieren sollte, in dem man Defizite hat. In den Bereichen, in denen man gut ist, sollte man natürlich auch lernen, aber vielleicht dort nicht so viel Energie reinstecken. Wichtig ist auch, dass man sich einen Plan macht, gerade bei größeren Lernprojekten. Daran kann man sich dann immer wieder orientieren und dann kann man auch etwas abhaken und sich belohnen. Und man sollte den Kopf frei bekommen. Nicht immer nur dasitzen und lernen, sondern auch zwischendurch rausgehen und was anderes machen."

Die Fragen stellte Theresa Schiffl