Seit Dezember 2014 hat der Landkreis Bamberg eine Ehrenamtsbeauftragte. Friederike Straub kümmert sich seither um die Anliegen der Organisationen und Vereine, die vom ehrenamtlichen Engagement leben. Sie ist im Landratsamt im Geschäftsbereich Soziales, Familie, Jugend, Gesundheit unter Telefon 0951/85-498 und E-Mail friederike.straub@lra-ba.bayern.de zu erreichen. Wo drückt der Schuh am meisten bei den Ehrenamtsbeauftragten? Im Landkreis Bamberg haben wir insgesamt 1149 Vereine jeglicher Art, 179 Feuerwehren, 27 Orts- und Kulturringe und etwa 75 politische Gruppen: Der Bundesdurchschnitt ist dass jeder dritte Bürger ehrenamtlich tätig ist. Ich persönlich denke, im Landkreis Bamberg ist jeder zweite Bürger in irgendeiner Weise ehrenamtlich tätig, von den Asyl-Helferkreis über Vereine, Nachbarschaftshilfen usw. Eine individuelle Betreuung aller durch die Ehrenamtsbeauftragte ist damit nicht möglich, aber auch Beratung und punktuelle Unterstützung helfen in vielen Situationen weiter.

Die Ganztagsbetreuung in den Schulen erschwert Vereinen die Jugendarbeit, das Gewinnen von Mitgliedern und das Gestalten des Vereinslebens; hier ist eine gute Kooperation wichtig. Immer weniger Menschen übernehmen ein langfristiges Ehrenamt, z. B. einen Vereinsvorstand; Gründe sind die Belastung durch die Erwerbstätigkeit, Schwierigkeiten bei der Freistellung von der Arbeit für eine ehrenamtliche Tätigkeit (z. B. für Feuerwehreinsätze) und ein geändertes Verständnis von bürgerschaftlichem Engagement. Was sind die häufigsten Fragen und Probleme, mit denen Ehrenamtliche bzw. Vereine auf Sie zukommen? Fragen rund um den Verein, von Steuer, Versicherung bis hin zum Brunnenbau. Finanzierung von Projekten; Unterstützung bei Beantragung von Fördermitteln. Praktische und unkomplizierte Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Projekten und Ideen vor Ort.

Sind es eher Vereine und Organisationen, die auf Sie zukommen, oder einzelne Ehrenamtliche? Beides und auch Schulen und Kindergärten in den Kommunen vor Ort.

Haben sich Fragen im Laufe von gut vier Jahre Ihrer Tätigkeit verändert? Nein, nur unwesentlich, es sind nur durch die sehr gute Vernetzung im Landkreis mehr Ehrenamtliche dazugekommen, mit denen eng zusammengearbeitet wird.

Was könnte/sollte von politischer Seite (Kommunal-, Landes- und Bundesspolitik) noch getan werden, um das Ehrenamt zu stärken? Von Seite der Kommunalpolitik wurde bereits viel für die Stärkung im Landkreis Bamberg getan, auch durch die Schaffung der Stelle der Ehrenamtsbeauftragten vor vier Jahren, die Förderung des Freiwilligenzentrums CariThek oder die Ehrenamtskarte. Die Zusammenarbeit der Vereine, Verbände und Initiativen mit den Bürgermeistern und Verwaltungen der Kommunen ist meistens gut. Die meisten Verantwortlichen wertschätzen ihre Ehrenamtlichen. Die Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen können noch ausgebaut werden, ebenso die Vernetzung der Vereine untereinander.

Die Förderungen auf Landes- und Bundesebene sind gut, es gibt Fördermöglichkeiten bei Einhaltung von bestimmten Richtlinien. Mehr finanzielle Unterstützung mit weniger Bürokratie von niederschwelligen kleinen Projekten wäre aber wünschenswert. Die Fragen stellte Hans Kurz.