D ie Geschichte der ukrainischen Familie Hurko hätte ein Musterbeispiel für gelungene Integration werden können. Er, der ungelernte Asylbewerber aus der Ukraine, der es seit 2015 durch Fleiß und Engagement von der 1-Euro-Kraft zum festangestellten Arbeiter im Eberner Bauhof geschafft hatte; sie, die Arbeitsverträge bei der Arbeiterwohlfahrt in Ebern und als Hauswirtschafterin auf einem Hof in Losbergsgereuth fand, und die drei Kinder, die sich gut eingelebt hatten, auch in Schule und Kindergarten prima zurechtkamen.

Doch dann kam das Aus für die fünfköpfige Familie. Visumsantrag abgelehnt, die Hurkos mussten Ende September ausreisen. Ihre Wohnung in der Haßbergestadt hat die Familie bis heute angemietet, doch seit drei Monaten warten Leonid und Olha Hurko und deren drei Kinder in ihrem Heimatort, etwa 100 Kilometer entfernt vom Krisengebiet im Osten der Ukraine, auf die Erlaubnis zur Rückkehr nach Ebern. Seit den jüngsten Konflikten mit Rußland hat sich die Bedrohungssituation dramatisch zugespitzt. Bürgermeister Jürgen Hennemann und Bauhofleiter Christian Raehse sprechen von einem "Trauerspiel" und einer "ganz großen Zwickmühle".

Beide würden den beliebten und fleißigen Mitarbeiter gerne als Arbeiter im Bauhof, einem Mangelberuf, behalten. Der Bürgermeister spricht von einem "gelungenen Fall der Integration, den wir gerne weiter haben und darstellen wollen".

Ein "positiver Sonderfall"?

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Von allen Seiten gebe es Nachfragen, niemand könne die Ausweisung verstehen. "Diese Familie ist ein positiver Sonderfall, was die Integration und die Eigeninitiative angeht, die leider nicht in die gesetzlichen Vorgaben passt", sagt Hennemann. Der Bürgermeister und der Bauhofchef haben alle denkbaren Hebel in Bewegung gesetzt, Behörden und Politiker auf regionaler und Bundesebene eingeschaltet, doch bislang ohne Erfolg. Das Problem ist, dass der 34-jährige Hurko keine abgeschlossene Handwerksausbildung vorweisen kann. Die rechtlichen Möglichkeiten scheinen ausgeschöpft.

Die Verhandlungen mit der Bundesagentur für Arbeit, Handwerkskammer für Unterfranken, dem Auswärtigem Amt und der deutschen Botschaft in Kiew gleichen einem Spießrutenlauf. Bleibt die Hoffnung auf eine humanitäre Entscheidung, wie sie in anderen Fällen mit Entgegenkommen und etwas "Vitamin B" Wirklichkeit werden. "Die bürokratischen Hürden erscheinen unüberwindbar", gesteht der Bürgermeister und wünscht sich eine unbürokratische Einzelfallentscheidung. eki