Mit großem Stolz auf die gute Ausbildungsqualität sprach die Elektro-Innung Haßberge in Sand neun frischgebackene Handwerksgesellen von den Pflichten ihrer Ausbildung frei. Nach dreieinhalb Jahren erhielten die jungen Männer ihre Gesellenbriefe als Elektroniker der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik aus den Händen von Innungsobermeister Ralf Jooß. Doch auch Kritik wurde an diesem Abend laut: Die Innung fühlt sich in Sachen Ausbildung von Kreis und Bezirk ein Stück weit im Stich gelassen.

Der Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner legte den Finger in die Wunde: Die Ausbildung zum Elektroniker sei anspruchsvoll und mit sieben Semestern fast so lang wie manches Studium. Die Innung Haßberge habe sich immer um eine gute überbetriebliche Ausbildung bemüht, um ihre künftigen Fachkräfte bestmöglich auf die künftigen Anforderungen vorzubereiten in einem Beruf, der ständig einer rasanten Entwicklung unterworfen ist. Nachdem die Elektro-Klasse schon vor Jahren an die Berufsschule in Schweinfurt verlegt wurde, fand die überbetriebliche Ausbildung dennoch wohnortnah statt, weil die Innung in der Berufsschule Haßfurt Räume gemietet hatte.

Die Initiative ergriffen

Diese wurden jedoch in Vorbereitung auf die Generalsanierung gekündigt. Die Innungsbetriebe beschlossen, selbst die Initiative zu ergreifen. Thomas Störcher stellte in seiner Firma in Haßfurt die Räume für die überbetriebliche Ausbildung zur Verfügung, und die Innung investierte fast 30 000 Euro in die Ausstattung. "Es gab zwar Versprechen, dass wir dazu Unterstützung von der öffentlichen Hand bekommen, bisher hat sich da aber nichts getan", zeigte sich auch Obermeister Ralf Jooß etwas enttäuscht.

Die Feierlaune ließen sich die Ausbilder und ihre erfolgreichen Nachwuchskräfte jedoch nicht verderben. Wie der Obermeister und der Kreishandwerksmeister betonte auch Roland Kiesel, der Leiter der Abteilung Elektrotechnik an der Berufsschule Schweinfurt, den hohen Anspruch, dem Auszubildende in diesem Fach gerecht werden müssen. "Man spielt hier in der Champions League der Berufsausbildungen", betonte er, "und ihr alle steht dennoch erst am Anfang eurer Bildung". Kaum ein Berufsbild sei einem so rasanten Wandel unterworfen.

Das sah auch der Sander Bürgermeister Bernhard Ruß so, der die Festansprache hielt. In seinen öffentlichen Ämtern erlebe er zunehmend, wie es immer schwerer wird, Aufträge zu vergeben. Auch als Sander Bürgermeister sei er oft auf persönliche Kontakte angewiesen, damit Baustellen ordentlich abgewickelt werden können. Das Elektrohandwerk sei eine Schlüsselbranche, die in Bayern im vergangenen Jahr 8,8 Milliarden Euro umsetzte. Kaum ein anderes Handwerk nehme Impulse des internationalen Fortschritts so schnell auf. Das fordere ständiges Lernen, "aber das macht so ein Berufsleben auch spannend", sagte Bernhard Ruß.

Die erfolgreichen Handwerker

Ihren Gesellenbrief erhielten: Andreas Aumüller aus Eltmann, Häfner Elektrotechnik Eltmann; Fabian Düring aus Knetzgau, Elektro Maas Knetzgau; Marco Engelbrecht aus Kleinsteinach, Elektrotechnik Hümmer Rügheim; Manuel Fleck aus Rügheim, Elektro Jooß Hofheim; Kevin Gottschlich aus Ostheim, Elektro Krapf Haßfurt; Niklas Grutke aus Goßmannsdorf, Elektro Jooß Hofheim; Nico Hofmann aus Haßfurt, Scheuring & Pischel Zeil; Konstantin Kaffer aus Ibind, Elektro Fertsch Eyrichshof. Der Innungsbeste ist Marco Schineller aus Humprechtshausen, er lernte in der Firma Geuppert Elektrotechnik Hofheim.