Immer mehr Fahrschüler fallen durch die Prüfung. 30 Prozent in der Praxis, fast 40 Prozent in der theoretischen Prüfung. Deutschlandweit gesehen. Doch auch Oberfranken liegt im Trend, wie Jürgen Adelfinger, Niederlassungsleiter beim Tüv Süd bestätigt.

Gründe dafür gibt es verschiedene, wenngleich das schlechte Ergebnis auch ein wenig verwundert. "Ich kann nicht verstehen, warum mehr durchfallen, denn die Prüfung ist leichter geworden", betont Josef Metzner aus Forchheim, stellvertretender Regionalverbandsvorsitzender der Fahrschulen.

Es ist wohl ein Zusammenkommen vieler Faktoren, dass immer mehr Schüler durch die Prüfung rasseln. Abgesehen von einer gestiegenen Prüfungsangst spielt sicher auch die Lernbereitschaft und das eigenständige Denken eine Rolle. Und dann gibt es die Prüflinge mit Migrationshintergrund. "Sie tun sich schwer, die schwierig formulierten Fragen zu verstehen", meint Adelfinger.

Pausen zwischen Fahrstunden

Ein anderer Grund hat mit der Prüfung nur zweitrangig zu tun. Haben Fahrschüler früher, vor gut 20 Jahren, den Führerschein in wenigen Monaten durchgezogen, brauchen heute viele gut ein Jahr oder länger dafür, weil sie große Pausen zwischen einer und der nächsten Fahrstunde einlegen.

"Der Stellenwert des Führerscheins ist gesunken", erklärt Adelfinger dazu. Früher habe der Führerschein noch über dem Abitur gestanden. Gerade in Ballungszentren hat der Führerschein längst nicht mehr Priorität. Die Prüflinge sind dort meist schon Mitte 20.

Ein Blick in ländliche Gegenden zeichnet da ein anderes Bild. "Hier ist der größte Anteil bei den Prüflingen mit 17 Jahren", sagt Adelfinger. Immerhin 60 Prozent der Führerscheinabsolventen machen den Führerschein mit 17, die anderen regulär mit 18 Jahren. "Bei den 17-Jährigen ist die Durchfallquote nicht so hoch", bekräftigt Adelfinger. Zumindest in der Praxis nicht. In der Theorie nähert sich auch Oberfranken dem deutschlandweiten Trend.

Was ist der Grund dafür? Zum einen die theoretische Prüfung selbst. "Man geht weg von den festen Bildern, die bei den Fragen sind", erklärt Adelfinger und schiebt ein Beispiel hinterher.

Der "Käfer", der früher für rechts vor links stand, den gibt es so nicht mehr. Mit Videosequenzen wird nun gearbeitet. Die Fragen sind nicht geheim, können von den Schülern angesehen und geübt werden. Eine Sequenz wird abgespielt. Diese kann der Schüler vier oder fünf Mal anschauen und klickt dann weiter, um die Frage zu beantworten. Zurück zum Bildausschnitt kann der Schüler nicht. "Er muss die Situation erfasst haben. Die Fragen sollen verstanden werden, nicht auswendig gelernt sein", erklärt Adelfinger, warum die theoretische Prüfung praxisnäher ist.

Durchfallquote

Genau hier sieht Josef Metzner eine Erklärung für die höhere Durchfallquote. "Man sieht nicht mit dem Auge, sondern mit dem Hirn", lautet sein Grundsatz dazu. Denn auch in der Praxis zeige sich, ob ein Schüler verstanden habe, worum es eigentlich geht. Nur: Manche Schüler wachsen erst mit 17 in das System Verkehr hinein, etliche Schüler sind nicht mehr so belastbar.

Und dann sind da die vielen anderen Schüler, die bemüht sind, alles sehr gut zu machen und so zu fahren, wie es der Fahrlehrer wünscht. Dazu gehöre beispielsweise beim Wechsel über zwei Fahrstreifen von rechts nach links nicht nur der Blick in den Rückspiegel, sondern das Umdrehen. "Es ist schon vorgekommen, dass sich der Schüler umdreht und den Fahrradfahrer trotzdem übersieht", erklärt Metzner, der das den "Fahrlehrerbefriedigungsblick" nennt. Fragt er nach, warum sich der Schüler umgedreht hat, folgt ein Achselzucken oder die Antwort, weil es der Fahrlehrer so gesagt habe.

Toter Winkel

Erst wenn der Schüler weiß, dass er nach Radfahrern oder Fußgängern schauen muss, die er im Spiegel aufgrund des toten Winkels übersehen könnte, hat der Schüler verstanden und kann richtig "sehen".

Das Ergebnis der theoretischen Prüfung spiegle andererseits auch das Lernverhalten wider. "In der Schule fangen die Schüler drei Tage vor der Schulaufgabe mit dem Lernen an", erklärt Metzner. In der Führerscheinprüfung funktioniere es nicht, mal gerade so durchzukommen.

"Wenn ich etwas lerne, darf ich es nicht mehr vergessen. Das richtige Autofahren fängt erst nach der Prüfung an", betont der stellvertretende Regionalverbandsvorsitzende der Fahrschulen. Ein Schüler, der schwach in der Theorie ist, habe auch in der Praxis Schwierigkeiten, weil er eine halbe Stunde nachdenken müsste, um sich richtig zu verhalten. Die Zeit hat er aber nicht, wenn er an eine Kreuzung fährt.

Schlechte Gewohnheiten

Und dann sind da noch die schlechten Gewohnheiten, die man sich durch falsches Fahren als Radfahrer im Straßenverkehr antrainiert hat. Das kann man in fünf Monaten nicht ändern. Josef Metzner will jedoch nicht ausschließlich auf die Schüler zeigen, sondern muss den mahnenden Zeigefinger zum Teil auch in Richtung Fahrschulen erheben. "Die Fahrschulen dürfen Prüflinge erst vorstellen, wenn sie sicher sagen, der Schüler besteht die Prüfung", ärgert sich Metzner über so manches Fehlverhalten der Fahrschulen ganz regional betrachtet. Oder es gibt Fahrschulen, die ihre Schüler ohne Betreuung in Simulatoren setzen, um angeblich das Fahren zu lernen. "Das ist nicht für die Erstausbildung geeignet", kritisiert Metzner.

Letztendlich bleibt trotz vieler Erklärungen ein Fragezeichen hinter dem Prüfungsergebnis. "Komischerweise machen die Schüler auch dabei Fehler, was man intensiv übt", sagt Metzner.