Immer mehr Menschen in Deutschland sind auf Gelder aus den Sozialtöpfen des Bundes angewiesen. Neben dem Arbeitslosengeld II (Hartz IV) für Arbeitssuchende gibt es verschiedene Hilfearten der Sozialhilfe nach SGB XII: unter anderem auch "laufende Hilfe zum Lebensunterhalt" (HzL), also Sozialhilfe im engeren Sinne.
Bundesweit kletterte die Empfängerzahl dieser Hilfeart auf einen neuen Höchststand. In Bayern erhielten laut Statistik zum 31. Dezember 2014 insgesamt 49 509 Kinder, Männer und Frauen diese Unterstützung (Vorjahr: 49 273), bundesweit waren es 382 500 Empfänger (Vorjahr: 370 300).


Auch Minderjährige berechtigt

Die HzL unterstützt Menschen, die weder Anspruch auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) noch auf Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung haben. Auch Minderjährige unter 15 Jahren, die nicht im Haushalt der Eltern, sondern bei Verwandten leben, sind anspruchsberechtigt, wenn Einkünfte fehlen. Ebenso Bewohner in stationären Einrichtungen der Pflege, der Altenhilfe oder der Eingliederungshilfe für Behinderte, deren eigenes Einkommen und Vermögen nicht ausreicht, um die Unterkunft zu bezahlen.
Und im Kreis Kulmbach? Gegenüber dem Vorjahr mit 551 sank hier die gesamte Empfängerzahl um 3 oder 0,5 Prozent. Geht man ein weiteres Jahr zurück, lag die Empfängerzahl damals bei 518 (Dezember 2012) und weitere zwölf Monate zuvor bei 448 (Dezember 2011).
Blickt man auf das Alter der Empfänger, waren zuletzt elf Betroffene jünger als 18 Jahre. Weitere 378 waren im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren, und 159 hatten den 65. Geburtstag bereits hinter sich. Insgesamt 21 ausländische Empfänger bezogen laufende Hilfe zum Lebensunterhalt, ein Anteil von rund 3,8 Prozent (Bund: 6,6 Prozent).
Nicht nach Pass, sondern nach Geschlechtern betrachtet, sagen die Zahlen, dass die Bedürftigkeit im Landkreis eher weiblich als männlich ist: Die 291 Empfängerinnen entsprechen 53,1 Prozent der Gesamtzahl.
Im Kreis Kulmbach lebten 515 aller 548 HzL-Empfänger in einem Alten- oder Pflegeheim, also ein Anteil von rund 94 Prozent. Bundesweit lag diese Quote bei gut zwei Dritteln.


Deckung des Grundbedarfs

Die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt soll den Grundbedarf decken, mehr nicht. Dazu zählen nach Paragraf 27a SGB XII "insbesondere Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens sowie Unterkunft und Heizung". Zu den persönlichen Bedürfnissen des täglichen Lebens gehört in vertretbarem Umfang auch eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche. Für Schüler umfasst der notwendige Lebensunterhalt auch "die erforderlichen Hilfen für den Schulbesuch".
Somit leistet die HzL nicht nur ein physisches Existenzminimum, sondern strebt einen soziokulturellen Mindeststandard an, der eine angemessene Teilnahme am gesellschaftlichen Leben einschließt. sus