"Die Notfallmappe kann man jedem nur empfehlen", sagt die 90-jährige Helga Kursawe aus Pretzfeld. Sie kann das gut beurteilen, denn in ihrem Fall kam die Notfallmappe gleich zweimal während einer Reise zum Einsatz.
Auch im vergangenen Jahr war die Pretzfelderin von ihrer Tochter zu Weihnachten nach Hechingen in Baden-Württemberg eingeladen worden. Da sie nicht alleine reisen darf, traf sie sich mit ihrer Tochter im Zug. Angekommen in Hechingen merkte Helga Kursawe beim Auspacken, dass sie ihre Blutdrucktabletten vergessen hatte. Sie war etwas aufgeregt von der Fahrt und wollte sich ausruhen.


Nicht ohne Rezept

Ihr Schwiegersohn ging zur Apotheke, bekam die Tabletten jedoch nicht ohne Rezept. Deshalb fuhr er zu einem Arzt, der bis 21 Uhr Dienst hatte. Da er die Notfallmappe mit den Unterlagen des Hausarztes vorlegen konnte, erhielt er ein Rezept und konnte dieses einlösen. "Ohne die Unterlagen wäre das nicht so einfach gegangen. Da hätte mich der Arzt erst untersuchen müssen", erzählt Helga Kursawe.
Am 4. Januar machte sie sich gemeinsam mit ihrer Enkelin auf die Heimreise. Doch schon am Bahnhof in Hechingen fühlte sie sich nicht wohl. Im Zug beobachtete die Enkelin ihre Oma und entschied, dass sie in Tübingen aussteigen sollten. Außerdem rief sie per Handy einen Notarzt, der in Tübingen am Bahnsteig bereits wartete. Helga Kursawe hatte ihre Notfallmappe in der Außentasche ihres Koffers, so dass sie sie gleich herausziehen und an den Arzt weitergeben konnte.


Sanitäter begeistert

"Es bestand der Verdacht auf Schlaganfall. Mein Blutdruck war bei 240. Es wurde gleich ein MRT gemacht und ich bekam Infusionen", berichtet die 90-Jährige. Sie erzählt weiter, dass die Sanitäter begeistert waren von der Notfallmappe. Und der Chefarzt in Tübingen meinte, dass er eine solche noch gar nicht gesehen habe.
"Die wussten, was los war, und konnten schnell und gezielt reagieren", meint Helga Kursa-we, "diese Mappe kann Leben retten."
Daheim liegt die Notfallmappe neben ihrem Telefon. "Ich musste ja schon mal den Notarzt rufen, da fiel mir vor Aufregung mein Name nicht mehr ein", erzählt die Pretzfelderin. Die Mappe erhielt sie von ihrem Hausarzt, der diese auch mit Unterlagen bestückte. Zum Beispiel mit einem Überleitbogen mit der Übersicht aller Erkrankungen und einem aktuellen Medikamentenplan.
"Man kann die Notfallmappe eigentlich jedem empfehlen, der regelmäßig zum Arzt muss oder regelmäßig Medikamente nimmt", sagt Bärbel Matiaske von der Geschäftsstellenleitung der "Gesundheitsregion plus" im Landratsamt Forchheim.


Idee aus Amberg

Basis für die Notfallmappe war eine Mappe, die es im Amberger Krankenhaus gibt. Bei der "Gesundheitsregion plus" gibt es eine Arbeitsgruppe "Sektorübergreifende Kommunikation", in der Ärzte, Therapeuten oder Kliniken vertreten sind.
Eigentlich sollten die Notfalldaten auf den Chipkarten der Patienten gespeichert werden. "Aber das wird noch einige Zeit dauern", meint Bärbel Matiaske.
Deshalb entwickelte das Team gemeinsam mit der Ugef - das ist ein Zusammenschluss von Ärzten in der Notfallpraxis in Forchheim, Notfallmedizinern und Sanitätern - die Forchheimer Notfallmappe. Hier ist eine Checkliste zu finden mit Dokumenten, die in Kopie in die Mappe gelegt werden sollen. Nach einem Krankenhausaufenthalt in Forchheim oder Ebermannstadt erhalten die Patienten bei der Entlassung automatisch eine solche Mappe mit einem Arztbrief. Ansonsten kann man sie beim Hausarzt oder im Landratsamt erhalten. Die Mappe erhält einen roten Aufkleber, den man an der Haustür oder am Briefkasten anbringen kann, damit der Rettungsdienst im Notfall Bescheid weiß, dass eine solche vorliegt.


Weniger Platz in Notfalldose

"Es gibt auch noch die Notfalldose, die die gleiche Aufgabe hat. Allerdings ist da drin nur Platz für maximal zwei Blatt Papier", sagt Bärbel Matiaske. In der Notfallmappe ist Platz für mehr Unterlagen, die teilweise vom Arzt erstellt wurden. Die Notdienste wurden über die Integrierte Leitstelle über die Notfallmappe informiert.
"Mir hat es sehr geholfen und ich bin froh, dass es diese Notfallmappe gibt", sagt Helga Kursawe.