Besser könnte die aktuelle Meldung der Polizei Ebern nicht passen: Ablenkung im Straßenverkehr durchs Mobiltelefon: Am Donnerstagvormittag hatte es nämlich eine Verkehrsüberwachung an der Bundesstraße 279 gegeben. Sage und schreibe fünf Fahrzeugführer erhielten eine Anzeige, weil sie ihr Mobiltelefon bei der Fahrt benutzten. Das bedeutet 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei Flensburg. Die Missetäter sind laut Polizeiinspektion Ebern dabei ein Querschnitt der Bewölkung. Egal ob jung oder alt, Pkw- oder Lkw-Fahrer, Mann oder Frau. Die Polizei in Ebern bilanziert: "Das Mobiltelefon während der Fahrt liegen zu lassen, fällt anscheinend trotz des erhöhten Bußgelds vielen schwer. Es wurde telefoniert, getippt oder "nur" gelesen. Alle Fahrzeuglenker waren abgelenkt!"

Der bayernweite Kontrolltag "sicher.mobil.leben - Ablenkung im Blick" ist erst eine Woche her. Eine der Kernbotschaften lautete, dass sich durch Ablenkung am Steuer die Aufmerksamkeit verringert und die Reaktionszeiten verlängert. Zudem erhöht die Nutzung von Kommunikationsmitteln das Unfallrisiko um das Vierfache, ähnlich einer Trunkenheitsfahrt.

Mit einer Aufklärungsveranstaltung ist die Polizei aktuell an der Haßfurter Berufsschule. In einer Sekunde kann man keine Textnachricht lesen, schon gar nicht schreiben, oder eine Nummer wählen. In einer Sekunde legt ein Auto bei 50 Stundenkilometern aber 14 Meter Strecke zurück. Diese verdeutlicht der "Blindflugteppich", den Polizeihauptkommissar Stefan Scherrer in der Heinrich-Thein-Berufsschule ausgerollt hat.

Ein Großteil der Berufsschüler fährt Auto und damit "ist hier die richtige Zielgruppe" erklärt stellvertretender Schulleiter Thorsten Brüggemann sein Engagement für Verkehrssicherheit. Überall im Schulhaus hängen Plakate der Verkehrswacht wie das, das vor "App-Lenkung" warnt. Aufklärung tut not - in Bezug auf jede Ablenkung am Steuer, betonte Scherrer vor den Berufsschülern, die klassenweise zum "Blindflugteppich" kamen. Die 14 Meter Strecke bis zu dem Fußgänger, der durch einen Dummy dargestellt ist, machten Eindruck. Man muss kein Mathe-Genie sein, um zu übertragen, was das bei Außerort-Geschwindigkeiten bedeutet.

Laut Scherrer gibt es zwar keine "harten Zahlen", aber die Polizei geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller Unfälle durch Ablenkung verursacht wird. Dazu gehört das Handy ebenso wie das Navi. Laute Musik, angeregte Telefonate auch über Bluetooth, ein Streit, eine Auseinandersetzung mit dem Beifahrer - alles Faktoren, die die Aufmerksamkeit von der Straße nehmen. "Und das gilt für einen erfahrenen Autofahrer genauso wie für einen Fahranfänger", erklärte Scherrer.

Die Polizei setzt auf Aufklärung, doch wie bei der Gurtpflicht scheint nur Strafe zu fruchten. Das Bußgeld für Handy am Steuer beläuft sich auf 100 Euro, was einige Schüler als zu niedrig empfanden. Empfindlicher trifft da schon der Punkt in Flensburg. "Das summiert sich ganz schnell, und bei acht Punkten ist der Führerschein weg", erklärte Scherrer. Strafbar ist schon das Handy in der Hand: "Ablenkung ist schon, wenn der Fahrer das Handy aus der Hostentasche holt oder auf dem Beifahrersitz sucht". Telefonieren oder texten während der Fahrt ist ebenso gefährlich wie 0,8 oder ein Promille Alkohol im Blut.