Ein 23-jähriger Mann aus Neunburg vorm Wald musste sich am Donnerstagvormittag wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Der gebürtige Schwandorfer hatte von 2009 bis 2013 in der Jugendheimstätte Fassoldshof gelebt und war auf diese Weise in den Landkreis Kulmbach gekommen. Nach seinem Aufenthalt in Fassoldshof lebte er zeitweise in einer Obdachlosenunterkunft.
Mit einem Bekannten, dem er vorübergehend Unterschlupf in seiner Obdachlosenunterkunft gewährt hatte, kam es nach dessen Auszug zu einem Streit. Am 19. September 2017 begab sich der Angeklagte schließlich zur neuen Wohnung dieses Bekannten, wo er sich laut Auskunft des Geschädigten bereits mit den Worten angekündigt habe: "Es geht gleich rund."
An die Ursache des Streits konnte sich der Angeklagte nicht mehr genau erinnern, er sei alkoholisiert gewesen und habe ein Drogenproblem gehabt. Vor dem Haus des Geschädigten würgte ihn der Angeklagte zunächst und drückte ihn gegen die Hauswand, um ihm anschließend mindestens drei Faustschläge ins Gesicht und eine Kopfnuss zu versetzen. Diese Tat gestand der Angeklagte vollumfassend und reumütig ein.


Gute Sozialprognose

Staatsanwältin Anja Lettenbauer beantragte aufgrund des Vorstrafenregisters eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, auszusetzen zur Bewährung.
Richterin Sieglinde Tettmann verhängte letztendlich vier Monate mit Bewährung. Dem jungen Mann wird für die nächsten drei Jahre ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. "Der Angeklagte hat ein umfassendes Geständnis abgelegt, ist seit Januar drogenfrei, er befindet sich seit einem halben Jahr in einer festen Beziehung, in der er auch für ein Kind verantwortlich ist. Zudem beginnt er im September eine Ausbildung zum Elektriker", begründete die Richterin ihre Entscheidung.
Die Sozialprognose sei aus heutiger Sicht gut. Zu berücksichtigen sei auch seine schwierige Kindheit. Er wuchs bei der Großmutter auf und musste nach eigenen Angaben aufgrund häufiger Umzüge der Großmutter 14 Mal die Schule wechseln. "Damit der Angeklagte aber auch merkt, dass er verurteilt wurde, muss er binnen zehn Monaten 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten." Im Weiteren verhängte Richterin Tettmann gegen den Geschädigten ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro, ersatzweise vier Tage Ordnungshaft. Bereits bei der ersten angesetzten Verhandlung war er nicht erschienen, auch dieses Mal fehlte er unentschuldigt.