Ekkehaerd Roepert Eggolsheim/Fürth — Das Cover zeigt tanzende Seniorinnen. Und auch der Titel, "Ein Helfer kommt selten allein", verrät: In diesem Buch geht es beschwingt zu, die Geschichte endet gut. Genau ein Jahr nach "Schwesternliebe rostet nicht", legen Wiltrud Weltzer und Helga Blum den zweiten Band ihres Erzählprojektes vor. Die Autorin aus Bammersdorf (Gemeinde Eggolsheim) und die Lektorin aus Fürth spielen gemeinsam mit Ideen aus der Welt der Senioren und konzipieren Geschichten, die hauptsächlich unterhalten wollen; die aber, ohne Ratgeberliteratur zu sein, Senioren auch praktische Vorgehensweisen vermitteln.

Schmerzhafte Wende

Immer wieder trifft Wiltrud Weltzer Zuhörer und Leserinnen, die sagen: Diese Geschichte habe ich selbst genauso erlebt. Das aktuelle Buch erzählt von Renate Wolfrum. Drei Tage nach der Rückkehr von einer Italienreise nimmt ihr Leben eine schmerzhafte Wende. Ein Rheuma-Schub wirft die 67-Jährige aus der Bahn ihres selbstbestimmten Lebens.

Die Ausgangslage ist also gar nicht so heiter. Weil sich der Text aber um die geglückte Kunst des Helfens dreht, endet er in einem Fest. Wiltrud Weltzer weiß, wovon sie schreibt: In ihrer eigenen Familie hat sie erfahren, was es bedeutet, wenn jemand an Rheuma leidet - und wie dieses Leiden und die Nebenwirkungen der Medikamente ein Leben zerstören können. Auch das Unbehagen, sich helfen lassen zu müssen und die Hilfe abwehren zu wollen, sei eine Erfahrung, die viele ältere Menschen machten, sagt Wiltrud Weltzer. Nichts, was Renate Wolfrum widerfährt und was sie antreibt, ist demnach erfunden, gleichzeitig entspringen sämtliche Figuren dieses Buches der Fantasie.

Schreiben, sagt Wiltrud Weltzer, sei für sie "eine Beschäftigung, bei der ich Leichtigkeit und Freude finde". Wenn sie ihre Arbeit als Gestalttherapeutin, Gesangslehrerin und Hausfrau erledigt hat, gehören die Nachmittage dem Schreiben. Als eine Freundin nach einer schwierigen Operation das Haus nicht mehr verlassen konnte, erlebte Wiltrud Weltzer im eigenen Freundeskreis genau das, was sie zu den jetzt vorliegenden zwölf (zusammenhängenden) Geschichten inspirierte.

"Ein Helfer kommt selten allein" handelt von 13 Menschen und einem Hund. Sie stehen der rheumageplagten Renate Wolfrum bei und ermöglichen gemeinsam jenes Happy End, das Wiltrud Weltzer unter dem Titel "Vierzehn Helfer um mich stehn" erzählt. Die Kapitelüberschrift ist eine Anspielung auf das Schlaflied aus der Humperdinck-Oper "Hänsel und Gretel". Ursprünglich sollte das Buch die vierzehn engelsgleichen Figuren im Titel führen, "aber dem Verlag klang das zu fromm", sagt die Autorin.

Vor allem ist es aber die Lektorin Helga Blum, die genau auf den Klang der Geschichten achtet. "Zielgruppe sind Leser und Zuhörer ab 70 Jahren", sagt Helga Blum. Die Senioren-Geschichten sollen nicht nur gehört und gelesen werden, sondern in Senioren-Kreisen und in Heimen auch zum Erzählen animieren. Das Risiko, dass dramatische Stoffe böse Erinnerungen der Senioren wachrufen, will Lektorin Helga Blum in jedem Fall vermeiden. Daher kämen in diesen Seniorengeschichten beispielsweise auch keine Kriegserinnerungen vor.

Dieses Konzept kommt auch bei der Anlaufstelle der Seniorenseelsorge im Bistum Bamberg gut an: Das Referat Seniorenseelsorge (auch als Seniorenpastoral bekannt) hat die Autorin gebeten, ihr Buch den Altenbetreuerinnen zu präsentieren. So wird "Ein Helfer kommt selten allein" wohl den Weg in die Seniorenkreise des Pastorals finden.

"Das Buch ist kein Ratgeber", sagt Wiltrud Weltzer, "aber Senioren können beim Lesen auf die Idee kommen, wie kreative Hilfe möglich ist". Wohl nicht zufällig hat ihre Lektorin dieses Erzählprojekt für den Reinhardt Verlag entwickelt, einen Fachverlag, dessen Programm sich vor allem der medizinischen, psychologischen und pädagogischen Bildung widmet. 2020 will das Duo Weltzer/Blum im Reinhardt Verlag die Trilogie der "Geschichten für Senioren" perfekt machen.