Wie stellen sich Schüler einen idealen Raum zum Lernen vor? Zu dieser Frage hatte die Landesarbeitsgemeinschaft Architektur und Schule zusammen mit der bayerischen Architektenkammer den Schüler-Wettbewerb "Architektur für neues Lernen" ausgeschrieben. Zwei Gruppen des Münnerstädter Gymnasiums gingen dabei als Preisträger hervor und können zu Workshops nach München bzw. nach Venedig anreisen. Beteiligt haben sich am Wettbewerb rund 4000 Schüler in ganz Bayern.
Für Jan Müller, einen der Preisträger aus der Klasse 12, hat der Wettbewerb aber noch eine ganz andere Dimension. Der Abiturient ist sich jetzt ganz sicher, dass er Architektur studieren wird. Schon zuvor hatte er diesen Studiengang im Auge, die Beschäftigung mit dem Wettbewerbsthema hat ihn in seiner Entscheidung bestärkt. Architektur findet er spannend, weil so viele Bereiche des Lebens von ihr gestaltet werden. Auch Isabella Steinmetz gehört zum Siegerteam der 12. Klasse und auch sie hat Spaß an Architektur. Beruflich will sie jedoch einen anderen Weg einschlagen. Die Abiturientin strebt ein Studium im Bereich der Biologie an und will später einmal in die Forschung gehen.


Arbeiten mit dem Maßstab

Die Münnerstädter Kunstlehrerin Tanja Sobisch hat schon immer ein Faible für das räumliche Gestalten und hat die Wettbewerbs-Idee gerne für den Unterricht aufgegriffen. Obgleich Architektur im Kunstunterricht immer wieder eine Rolle spielt, war es für die Schüler eine neue Erfahrung, sich fast schon professionell mit der Gestaltung eines Raumes auseinanderzusetzen. Beplant werden sollte ein sechs auf sechs Meter großer Kubus als Lernraum, der abgekoppelt vom Schulhaus auf dem Schulgelände eine neue Form fürs Lernen bieten soll. Die Modelle mussten maßstabsgetreu gebaut werden.
Ungewohnt war für die Schüler nicht nur das Arbeiten im Maßstab, sondern auch die Reduzierung auf das Notwendigste. "Am Anfang war man verleitet, zur Veranschaulichung etwas Farbiges dazu zu geben", erklärt Ida Hauck aus der 9a. Alles sollte jedoch weitgehend im Eierschalenweiß eines professionellen Architekturmodells mit schwarzen Akzenten gehalten sein. Ein Lernprozess für die jungen Planer.


Von der Idee zum Modell

Nicht einfach war zudem, Ideen zu finden, die sich im Modell umsetzen lassen. Auch diese Erfahrung musste die Siegergruppe der neunten Klasse machen. Das erste Modell habe einfach nicht funktioniert, erzählen Luisa Spieß, Ida Hauck und Clara Büchs. Also hat man die Idee verworfen und ganz neu begonnen. Beim zweiten hat es dann so gut geklappt, dass auch die Jury in München davon überzeugt war. Die Schülerinnen-Gruppe hatte einen Kubus gestaltet, in dessen Zentrum eine als Bücherregal nutzbare Treppe den Raum in Lern- und Ruhebereiche unterteilt. "Treppenwerk" heißt die Arbeit.


Freiwillige Überstunden

Zwölf Unterrichtsstunden standen für die Planung und den Modellbau zur Verfügung. Am Ende waren die Zeit dann so knapp und der Spaß so groß, dass das junge Planerteam freiwillig nach Unterrichtsschluss am Feinschliff gearbeitet hat. Das hat sich gelohnt.


Entspannung war oft ein Thema

In der Altersklasse der Oberstufe hat das Münnerstädter Modell "Schlafen im Grünen" einen Preis gewonnen. Die Siegergruppe aus der Jahrgangsstufe 12 hat die Verbindung des Lernraums zur Natur in den Mittelpunkt gestellt und sieht ihren Kubus vor allem auch als Ort für den Rückzug und Entspannung, weil auch das das Lernen fördert. Das Thema Entspannung, so hat Tanja Sobisch beobachtet, hat bei vielen Wettbewerbsbeiträgen eine Rolle gespielt.
Die beiden preisgekrönten Münnerstädter Modelle sind derzeit zusammen mit den anderen Siegermodellen in der Bayerischen Architektenkammer in München ausgestellt. Alle anderen Schüler-Ideen, die am Gymnasium zu neuen Lernräumen entstanden sind und ebenfalls originelle Raumideen bieten, wird die Schule vor den Sommerferien beim Kunstprojekttag im Bahnhof (else!2) zeigen.
Während die Siegergruppe der neunten Klassen einen Tag lang an einem Architektur-Workshop in München teilnehmen wird, gewannen die Sieger der 12. Jahrgangsstufe einen einwöchigen Aufenthalt in einem internationalen Architektur-Camp in Venedig, das zeitgleich mit der dortigen Architektenbiennale stattfinden wird. Tanja Sobisch wird die Gruppe begleiten und ist jetzt schon gespannt auf diese Tage.