Rund 900 Mal pro Jahr rückt das Team der Rettungswache Schlüsselfeld der Johanniter-Unfallhilfe zu Notfall- und Notarzteinsätzen aus, um Menschen zu helfen. Was viele nicht wissen: Ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen wäre dies kaum möglich - Ehrenamtliche wie Rüdiger Lutz, der seit fast 20 Jahren in seiner Freizeit als Rettungssanitäter im Einsatz ist.

Zwei Mal im Monat übernimmt er am Wochenende Schichten auf dem Rettungswagen. Dann heißt es warten, ob sich der Piepser meldet, schreiben die Johanniter in einem Pressebericht zum Tag des Ehrenamts, der am Donnerstag begangen wurde. Angefangen hat für Rüdiger Lutz alles in der Jugend der Freiwilligen Feuerwehr Schlüsselfeld. Lange Jahre waren Feuerwehr und Wache im selben Gebäude untergebracht: Die räumliche Nähe weckte das Interesse an der Arbeit der anderen, ein gemeinsamer Rettungshelferkurs wurde organisiert.

"Meine Frau und ich haben uns dann entschieden, weiterzumachen", so der 47-Jährige, der hauptberuflich Geschäftsführer eines Autohauses ist. Insgesamt 520 Stunden in zwei Jahren investierten die beiden jeweils in die Ausbildung zum Rettungssanitäter - auch dies alles in ihrer Freizeit. "Wir übernehmen gerne die Kosten einer solchen Ausbildung", so Andreas Dennert, Rettungsdienstleiter bei der Johanniter-Unfallhilfe Oberfranken. "Dennoch ist es natürlich immens, was die Ehrenamtlichen darüber hinaus einbringen müssen. Die Ausbildung umfasst viel Theorie, aber auch Praktika in einer Klinik, optimalerweise im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin, sowie in der Rettungswache."

Zwölf Ehrenamtliche in der Wache

Als Rettungssanitäter sitzt Rüdiger Lutz am Steuer des Rettungswagens und ist auch sonst für das Fahrzeug zuständig. Vor Ort assistiert er dann im Einsatzfall dem Rettungsassistenten beziehungsweise dem Notfallsanitäter. Andreas Dennert ist froh über jeden, der sich für dieses Ehrenamt entscheidet: "Aktuell sind bei uns in der Schlüsselfelder Wache zwölf ehrenamtliche Helfer aktiv. Ohne sie wäre es nicht möglich, eine so breitgefächerte Versorgung sicherzustellen."

Genau das ist auch die Motivation von Rüdiger Lutz: "Ich möchte Menschen in Not helfen, vor allem hier direkt in der Region." Sein Herz hängt dabei besonders an der sogenannten UG Rett. Die Abkürzung steht für "Unterstützungsgruppe Rettungsdienst". Sie wird bei hohem Einsatzaufkommen oder bei Großschadenslagen eingesetzt, wenn alle regulären Rettungsdienst-Einsatzkräfte bereits im Einsatz sind. "Diese freiwillige Leistung von Menschen wie Rüdiger Lutz ist vor allem nachts und am Wochenende eine echte Hilfe, denn die UG Rett stellt sicher, dass kein Patient zu lange auf Hilfe warten muss", erklärt Dennert.

Fragt man Lutz nach schönen und schlimmen Erlebnissen in seinem herausfordernden Ehrenamt, dann gibt er eine Antwort, die man oft von Rettungsdienstmitarbeitern hört: "Am schlimmsten sind Unfälle oder Notfälle, die Babys oder Kinder betreffen." Aber auch hier ist es von Vorteil, dass er mit seiner Frau Kerstin die Leidenschaft für den Rettungsdienst teilt: "Natürlich ist es leichter, zu zweit über solche Dinge zu reden und sie zu verarbeiten." Im Gedächtnis bleiben aber vor allem auch die schönen Erlebnisse, zum Beispiel mit einem Patienten, der einen Infarkt erlitten hatte und Wochen später an Weihnachten mit Blumen und einem Geschenk vor der Tür stand und sich für die Hilfe bedankte.

Und was hat sich im Lauf der Jahrzehnte geändert? "Ich empfinde es schon so, dass die Leute heute bereits wegen Kleinigkeiten den Rettungsdienst rufen, allerdings trifft mich das in den Nachtschichten nicht so sehr", erzählt Rüdiger Lutz. Von zunehmender Aggressivität oder gar Gewalt gegenüber Rettungskräften ist er bisher verschont geblieben: "Ich erlebe es immer noch so, dass die Leute einfach froh sind, wenn wir kommen und helfen. Aber vielleicht ist das ja auch ein Unterschied zwischen Stadt und Land." red