Coburg — Konzertprogramme ohne Berührungsängste zwischen U- und E-Musik prägen das Angebot beim "Verein", seit Uwe Friedrich vor inzwischen zwei Jahrzehnten das Amt des Musikvorstands übernahm. Seit 2010 ist er in Personalunion zudem dessen Vorsitzender.

Kulturveranstalter, die als Verein organisiert sind, müssen oftmals gegen den demografischen Trend kämpfen. Wie sieht's in dieser Hinsicht beim "Verein" aus?
Uwe Friedrich: Der demografische Wandel macht auch vor dem "Verein" nicht Halt. Deshalb haben wir uns bereits vor vielen Jahren entschieden, Schülern, Studenten und Mitgliedern der Coburger Tafel freien Eintritt zu gewähren sowie Schülern und Studenten die kostenlose Mitgliedschaft im "Verein" zu ermöglichen. Steigende Mitgliederzahlen (heute über 270!) und vor allem eine, je nach Konzert-Angebot, vielfältige Altersstruktur der Besucher sind der beste Beleg für die breite Akzeptanz unserer Aktivitäten.

Crossover-Projekte bilden einen festen Bestandteil in Ihren Planungen. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?
In der über 140-jährigen Geschichte des "Verein" gab es nie Berührungsängste zwischen unterschiedlichen musikalischen Stilen und Sparten. (Die klare Trennung zwischen U- und E-Musik ist ja wohl auch ein typisch deutsches Phänomen.) Der "Verein" bleibt also seiner ursprünglichen Intention, Konzerte und Unterhaltung auf hohem Niveau zu einem bezahlbaren Preis zu bieten, treu. In einer Zeit, in der alle musikalischen Stile und Epochen jederzeit verfügbar sind, wäre es ein Anachronismus, an einer einzigen Ausrichtung festzuhalten .

In welchen Bereichen wollen Sie besonderes Akzente in Ihrem Konzertangebot setzen?
Ich sehe die große Chance des "Verein" darin, im wahrsten Sinn des Wortes "Unerhörtes" zu bieten (wie geschehen im Konzert mit den Twiolins, in dem vor einem begeisterten Publikum nur Neuschöpfungen erklangen) und Coburg um Angebote zu bereichern, die in Großstädten selbstverständlich sind. Dass Bewährtes nicht fehlen darf, erklärt sich wohl von selbst. Wer in das Programm auch dieser Saison schaut, spürt keine ausgeprägten Berührungsängste - weder zur Salon-Musik noch beispielsweise zum Jazz. Wo wären aus Ihrer Sicht dennoch die Grenzen?
Grenzen liegen einzig und allein in der künstlerischen Qualität des Gebotenen und einer musikalischen Auswahl, die möglichst alle Altersgruppen erreichen soll. Parallel zu unserem bisherigen Angebot erarbeiten wir zur Zeit im Rahmen eines P-Seminars am Gymnasium Albertinum ein Konzept für Jugendkonzerte und alternative Programme für die Coburger Musik-Szene, das dann 2015 Stück für Stück umgesetzt werden soll.

Welche Rolle spielt der Veranstaltungsort für Ihre programmatische Ausrichtung?
Seit nunmehr 15 Jahren ist der "Verein" regelmäßig mit seiner Konzertreihe im Foyer der HUK Coburg zu Gast. Gerade das ansprechende Ambiente mit der optischen Offenheit nach allen Seiten fordert dazu heraus, diese Vision auch musikalisch umzusetzen. Der an der Autobahn verkehrsgünstig gelegene Veranstaltungsort, ausgestattet mit einem hochwertigen Konzertflügel und fahrbarer Akustikdecke, bietet optimale Konzert-Bedingungen in zeitgemäßem Flair, die in unserer Region ihresgleichen suchen. Die HUK Coburg leistet durch die Verfügbarkeit dieses "Saals" für den "Verein" kulturelles Sponsoring in vorbildlicher Weise.

Gibt es ein Wunschkonzert, das Sie noch nicht verwirklichen konnten?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir in den letzten 20 Jahren im "Verein" sehr viele Wunschkonzerte erfüllen können und liege offensichtlich mit meinen Ideen nicht allzu sehr neben dem, was unsere Mitglieder und Gäste von uns erwarten. Träume, wie die szenische Realisation von Bernsteins "Mass" in Coburg, wären nicht nur aus finanziellen Gründen zum Scheitern verurteilt, sondern für Coburg und den "Verein" auch schlicht eine Schuh-Nummer zu groß.

Was hat sich aus Sicht eines Kultur-Veranstalters in den letzten fünf bis zehn Jahren verändert?
Die Schere zwischen unbezahlbaren Konzert-Gagen und preisgünstigen Angeboten seitens der Künstler klafft immer weiter auseinander. Nur noch wenige Ensembles können ausschließlich von ihren Konzert-Einnahmen leben. Meist müssen die Musiker gleichzeitig "auf mehreren Hochzeiten tanzen". Beim Publikum setzt sich deutlich der positive Trend fort, das Live-Konzert-Erlebnis zu schätzen und ihm dem Vorzug zu geben.

Wo sehen Sie den "Verein" in fünf Jahren?
Mein Blick geht nicht nur fünf, sondern mindestens neun Jahre voraus. Dann feiert der "Verein" als ältester Konzertveranstalter der Region sein 150-jähriges Bestehen.

Die Fragen stelle Jochen Berger.