Nach der ansprechenden 2:0-Vorstellung beim FC Würzburger Kickers empfängt die DJK Don Bosco Bamberg am Sonntag (15 Uhr) in der Fußball-Bayernliga Nord den vor Saisonbeginn sehr hoch eingeschätzten Regionalligaabsteiger SpVgg Bayern Hof auf der Rudi-Ziegler-Sportanlage in Wildensorg. Die Nordoberfranken sind seit neun Partien ohne "Dreier" und zieren das Ende des Gesamtklassements.
Spiele gegen einen Tabellenletzten sind meist eine unangenehme Aufgabe, vor allem noch schwieriger, wenn die Hofer Bayern der Gegner sind, die bereits acht Niederlagen bezogen und überhaupt erst einmal gewannen (2:1 beim FC Amberg am dritten Spieltag). Nach drei Pleiten in den ersten vier Partien, dem 0:0 beim FC Sand und dem Pokal-Aus beim Bezirksligisten TSV Meeder griffen einmal mehr die Automatismen im ambitionierten Klub. Trainer Miloslav Janovsky musste seinen Hut nehmen. In den vergangenen 16 Jahren standen 19 verschiedene Chefs auf der Kommandobrücke, darunter wohlklingende Namen wie Norbert Schlegel und Armin Eck.
Der Nachfolger Janovskys hat Stallgeruch, heißt Alexander Spindler und stammt aus dem eigenen Lager, wo er vor seiner Beförderung zum Cheftrainer für die U14 verantwortlich und als Leiter des DFB-Nachwuchsstützpunktes in Hof tätig war. Der 29-jährige Bundespolizist trat bei seiner Vorstellung selbstbewusst auf, kündigte sofort eine andere Spielphilosophie an, die sich nicht am Gegner orientiert. Drei Tage später untermauerte sein Team das Vorhaben und luchste Spitzenreiter SC Eltersdorf (1:1) die ersten Punkte überhaupt ab. Diese Premiere erfuhr eine Woche später eine Steigerung, als die Hofer mit 4:1 gegen Ammerthal führten, ehe die Begegnung wegen starken Gewitters abgebrochen und neu angesetzt wurde.
Der Aufschwung wurde jäh gebremst, Niederlagen (0:4 in Ansbach, 3:4 gegen Jahn Forchheim) sorgten für Ernüchterung. Die wechselhaften Vorstellungen fanden ihren Höhepunkt beim Würzburger FV, wo die Bayern zur Pause mit 0:3 zurücklagen und nach toller Aufholjagd verdient einen Zähler (3:3) mitnahmen. Doch dieses Strohfeuer erlosch schnell. Indiskutables bei Viktoria Aschaffenburg (1:6), Chancenlosigkeit gegen Aubstadt (0:3) und der Nackenschlag jüngst im Wiederholungsspiel gegen die ohne acht Leistungsträger angetretene DJK Ammerthal (1:4) ließen die aufgekommene Euphorie schwinden.
Dabei verfügen die Hofer über Akteure, die Regionalligaerfahrung aufweisen oder als Profispieler unter Vertrag standen, weshalb sie nahezu von allen Vereinsvertretern als Aufstiegsfavorit gehandelt worden waren. Der brasilianische Innenverteidiger Heron Guilhermino Miranda (27 Jahre, kopfballstarker Linksfuß), ablösefrei vom maltesischen Erstligisten FC Mosta gekommen, der zuvor für dessen Verpflichtung 75 000 Euro Ablöse an den moldawischen Erstligavertreter CSF Speranta überwiesen hatte, dazu der tschechische U19- und U21-Nationalspieler Matej Kyndl (24, Stürmer), der von Viktoria Pilsen stammt und zweimal für 100 000 Euro Ablöse innerhalb der 3. Liga Tschechiens wechselte, sowie der US-Boy Malik McLemore (20, Stürmer vom rheinland-pfälzischen Oberligisten SV Gonsenheim) standen gegen Ammerthal in der Startelf, konnten jedoch die Niederlage genauso wenig abwenden wie die Tschechen Lucas Komberec (29, 2 Tore) und Tomas Petracek (24, 8 Treffer).
In der Saison 2015/16 verloren die Wildensorger beide Vergleiche (1:2 in Hof, 1:4 zu Hause) und sind gut beraten, ihren Kontrahenten nicht am Tabellenplatz zu bewerten. Dass die Hofer klasse Fußballer haben, davon konnte sich Trainer Mario Bail bei seiner Stippvisite am Mittwoch überzeugen. "Sie haben enorme Qualität nach vorne, vor allem durch Petracek. Wir werden uns mächtig ins Zeug legen müssen und wollen uns gar nicht verstecken", so Bail, der sich über die effiziente Leistung seiner Schützlinge in Würzburg freute. Um in Hof zu bestehen, bedarf es einer Topleistung, denn angeschlagene Boxer sind bekanntlich sehr gefährlich. Am Aufgebot ändert sich nichts.
DJK Don Bosco Bamberg: Glos, Trunk - Esparza, Jessen, Kane, Kettler, Körner, Leicht, Ljevsic, Niersberger, Schäffler, Schmoll, Schwinn, Sengül, Spies, Strobler, Strohmer, Wunder