Blechbläser und Klavier? Was im ersten Moment ungewöhnlich klingen mag, hat längst Erfolg. Dem "AMA-Trio" mit Trompete, Posaune und Flügel eilte sein Ruf voraus und fand sich deshalb am Sonntag im voll besetztem Kaisersaal auf Schloss Banz wider - wie es eigentlich schon Tradition bei den Konzerten der Kammermusik auf Banz ist.

Die kurzen Vorabinformationen zu den Komponisten stimmten auf die nachfolgenden Werke ein und ließen diese nicht in der Leere stehen. So prägte den 2014 verstorbenen französischen Urheber Jacques Castérède etwa sein zweijähriges Stipendium an der Villa Medici in Rom sehr. In dieser Zeit seien auch die an diesem Tag gespielten Ausschnitte "Allegro energico" oder "Andante sostenuto" aus "Concertino" entstanden. Gewaltig und vorherrschend klangen die Blechbläser, ehe sie durch das Klavier "wieder eingefangen" wurden. Doch auch ruhige und melancholische Töne, die auf seltsame Art und Weise harmonierten, drangen durch den Kaisersaal.

Profis mit Herzblut

Möglich machten dies die Professionalität und das Herzblut der drei Musiker. Andres Weimer etwa ist seit 1996 Orchesterpianist bei den Bamberger Symphonikern und ein gefragter Liedbegleiter, Kammermusiker und Solist. Außerdem macht er stetig als Gast bei verschiedenen internationalen Festivals oder neuen CD-Produktionen auf sich aufmerksam, denn sein Repertoire reicht vom Barock bis hin zur zeitgenössischen Musik.

Sein Kollege bei den "Bambergern" ist auch zum Gefährten im "AMA-Trio" geworden: Markus Mester, seit 1992 dort Solo-Trompeter und seit 2018 erster Trompeter im Orchester der Bayreuther Festspiele. Regelmäßig halten die beiden auch Unterricht und Kurse an Musikhochschulen im In- und Ausland ab. Der Dritte im Bunde, Angelos Kritikos an der Posaune, schien während der Solo-Parts seinen Nebenmännern immerfort zuzulächeln. An der Posaune erhielt er unzählige Preise und Auszeichnungen.

Der Name "AMA-Trio" fügt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen zusammen. Da es für diese seltene, aber hochkarätige Besetzung wenig "fertige" Werke gibt, musste sich beispielsweise Andres Weimer selbst auf die Suche begeben: Vor etwa fünf Jahren habe er daher recherchiert und "gegoogelt", verriet Andres Weimer. Auf einen Komponisten aufmerksam geworden habe er diesen angeschrieben und wenig später eine CD bekommen. "Die habe ich dann im Autoradio gehört und war total begeistert von einem Stück - das aber nicht von diesem Komponisten stammte, sondern von Andreas Willscher. Also habe ich den angeschrieben." Dieser habe später auf Wunsch das bereits auf ähnliche Weise von den Bamberger Symphoniker dargebotene Mendelssohn-Thema auf das erfolgreiche Trio übertragen. Die Individualität der "Skizzen und Bilder" nach Felix Mendelssohn-Bartholdy schwang beim Hören so unweigerlich mit. In akustischer Weise erklangen so sechs Stationen aus dem Leben des Musikers, die ihn nach London, Rom und Weimar u.v.m. geführt hatten. Er ist nicht "nur" Kirchenmusiker und Komponist in Hamburg, sondern auch Kunstliebhaber: Willscher fügte Kunstwerke zum jeweiligen Thema passend hinzu, sodass die Banzer Zuschauer die aufregenden Töne nun auf Leinwand auch optisch begleiten konnten. Ein Madonnen-Bild oder ein Holzschnitt von Goethe versetzten gedanklich in die Zeit dieser Reise zurück.

Instrumente waren ebenbürtig

Nach der Pause boten die drei Musiker Stücke aus dem "Doubles Concerto" von Eric Ewazen dar. Es sei kaum ein Orchester in dessen Heimat Amerika zu finden, das seine Werke noch nicht aufgegriffen habe. Ebenso bekannt, aber nicht weniger imposant folgte das "Fandango" aus der Feder des 1947 geborenen Komponisten Joseph Turrin. Jedes der drei Instrumente schien ebenbürtige Solo-Parts zu haben. Dabei war das schon aus organisatorischer Sicht nicht selbstverständlich: Rund eine Stunde vor dem Einlass erlebten die Verantwortlichen rund um den künstlerischen Leiter der Kammermusik Achim Melzer erst einmal einen Schock: Der Flügel war plötzlich zusammengebrochen. Nach etlichen Tropfen Angstschweiß habe man sich mit stützenden Kisten beholfen, was dem Klang des Instruments an diesem Vormittag zumindest für Laienohren keinen Abbruch tat.

Wenn "Kammermusik" als reine, klein besetzte Instrumentalmusik definiert wird, dann entspricht das nur der halben Wahrheit: Sie war an diesem Vormittag gewaltig, selbstbewusst und so gar nicht "klein".

"Ich bin nun hier schon zum fünften Mal, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe mich wie vor 300 Jahren gefühlt, aber gleichzeitig auch im Hier und Jetzt, das war Wahnsinn", berichtete Ilse Zaumann aus Lichtenfels am Ende der Zugabe, die gewollter nicht hätte sein können.