"Ich habe mich schon immer für Europa interessiert", sagt Manfred Franze. Er ist 75 Jahre alt und wohnt in Ebermannstadt. Weiter sagt er, dass Deutschland nur in einem größeren Europa eine Zukunft habe. Manfred Franze hat Geschichte, politische Wissenschaften und Deutsch studiert.

Geboren wurde er im Riesengebirge. Seine Familie wurde 1946 ausgesiedelt und kam nach Forchheim. Hier ging er zur Schule, machte das Abitur und studierte in Erlangen. Später zog er nach Ebermannstadt und war hier 23 Jahre Mitglied im Stadtrat und zwölf Jahre im Kreistag. Besonders freute ihn, dass Anfang August die Europa-Aktion "Pulse of Europe" in Ebermannstadt stattgefunden hat.

Die Hand reichen

"Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Europagedanke ganz stark verankert. Da waren wir froh, dass uns andere Länder die Hand gereicht haben", meint Franze. Jetzt müssten wir Hilfesuchenden die Hand reichen.

Um Menschen zusammenzubringen, engagierte er sich für die Städtepartnerschaft. Eine solche hat Ebermannstadt mit der französischen Stadt Chantonnay. Diese Partnerschaft wurde am 12. April 1970 beurkundet. Allerdings gibt es schon seit den 60er Jahren Freundschaften.

Schulleiter in Nürnberg

Noch wichtiger war Manfred Franze jedoch, junge Leute für Europa zu begeistern. Erst war er Lehrer in Ebermannstadt, dann Schulleiter in Nürnberg an der Peter-Vischer-Schule. "Da haben wir Verschiedenes für Europa gemacht. Zum Beispiel in der neunten Jahrgangsstufe Europatage abgehalten", erzählt Franze. Mit Europaprojekten versuchte er die Schüler für das Thema zu begeistern.

Außerdem wurde unter seiner Leitung ein Europazertifikat eingeführt. Schüler von der achten bis zur zehnten Jahrgangsstufe konnten ein Europakundefach und eine zusätzliche Sprache wählen. Das bedeutete für die jungen Leute acht zusätzliche Wochenstunden. "Damit haben sie auch gezeigt, dass sie leistungsfähig sind", berichtet Franze und erzählt, dass es einen eigenen Lehrplan für Europa gegeben habe. Den habe man in Zusammenarbeit mit international tätigen Firmen erarbeitet. Darin ging es unter anderem auch darum, wie man sich im Ausland benimmt. "Da gab es dann auch für eine Woche ein Praktikum in den Auslandsabteilungen der Firmen", erinnert sich Manfred Franze.

Damit der Europa-Gedanke auch in der Fränkischen Schweiz erhalten bleibt, engagiert er sich eben bei "Pulse of Europe" und hält Vorträge. "Der Europagedanke wird in der Praxis durch Schüleraustausch umgesetzt, denn dadurch können grenzüberschreitende Freundschaften geprägt werden", sagt Manfred Franze.

Er engagiert sich für dieses Thema, weil es seiner Meinung nach immer mehr in Vergessenheit gerät: "Das sollte nicht sein. Wenn man sich Europa mal auf dem Globus anschaut, dann sieht man, wie klein das ist. Und dass es nicht aufgeteilt überleben kann." Die Menschen hier in der Region würden ja auch gern griechisch oder italienisch essen gehen. Doch nicht das allein sei Europa.

Lange Zeitspanne ohne Krieg

"Ich wünsche mir einen Europagedanken ohne große Bürokratie. Denn Europa, das ist kulturelle Vielfalt. Wir sollten zueinanderfinden und zusammenhalten", meint Franze. Er wolle nicht, dass die Menschen in nationalistisches Denken zurückfallen, denn das führte schon damals zum Krieg. "Es hat in Europa vorher noch nie eine so lange Zeitspanne ohne Krieg gegeben", erklärt er und ergänzt, dass er sich wünsche, dass das so bleibe. Das bedeute aber, dass es keinen Völkerhass geben darf.

Auch müsse man mit der Sprache und dem, was man äußere, vorsichtig sein. "Das finde ich gerade an den Kirchen gut, da hier oft von Frieden gesprochen wird", urteilt Manfred Franze. Friede sei etwas, für das es sich einzutreten lohne. Und weiter erklärt er: "Es ist wichtig, dass man den Friedensgedanken weiterverfolgt. Und schließlich gibt es ja auch vernünftige Muslime, die ihren Glauben friedlich leben wollen. Europa hat sich durch die Zuwanderung geändert. Wir müssen alle friedlich zusammenleben."