Die erste Sitzung des Marktgemeinderats nach dem Anhörungstermin zum Ausbau der ICE-Strecke nutzte Bürgermeister Klaus Homann zu einem Fazit aus Hirschaider Sicht. Homann sieht das Ergebnis der Auseinandersetzung mit den zuständigen Bahn-Dienststellen zwiespältig, teils von Erfolg gekrönt. Aber es scheint Konsens im Marktgemeinderat, dass man allein um des besseren Schallschutzes willen um einen Rechtsstreit vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht herumkommen wird.
Als "skandalös" wird es in Hirschaid zum Beispiel empfunden, dass die Bahn 22 Jahre nach der ersten Planungsrunde ein Projekt nach den damaligen Lärmschutzvorschriften umsetzen will, statt nach den inzwischen per Gesetz verschärften Bestimmungen. "Das ist beschämend und frustrierend," fasste Peter Desel (CSU) das Empfinden der Bahnanlieger zusammen. Einen Skandal sieht Albert Deml (ÖL) darin, dass die Bahn die Forderung nach Verlängerung der Außenbahnsteige des Haltepunkts Hirschaid mit dem Argument ablehnt, sie kenne südlich der Maximilianstraße keine Park-&-Ride-Anlagen. Die wird es allerdings schon vor dem Baubeginn zwangsläufig geben müssen.


Vollsperrung abgewendet

Der Bürgermeister konnte durchaus ein paar erfreuliche Fortschritte in den Verhandlungen mit der Bahn aufzählen. So sei die Gefahr einer zehnmonatigen Vollsperrung der Maximilianstraße abgewendet. Neuerdings gehe die Bahn auch auf die Forderung nach Bereitstellung einer Ersatzfläche für die Parkplätze auf der Ostseite des Bahnkörpers ein, die der Streckenverbreiterung zum Opfer fallen werden. Auch die zugesagte Schonung der Amlingstadter Straße und die Verlegung der Baustellenzufahrt auf den Löserweg wertet Homann positiv. Noch nicht vom Tisch sind Fragen wie die Verlängerung der äußeren Bahnsteige über die Maximilianstraße hinaus oder der fünf Meter breite Ausbau des neuen Fußgängertunnels am Haltepunkt. Hier will sich die Bahn mit 3,50 Meter begnügen. Die Mehrkosten müsste Hirschaid tragen. Dazu werden aber 55 Prozent Zuschuss vom Freistaat Bayern in Aussicht gestellt, berichtete Homann.
Heinrich Dorn (CSU) geht davon aus, dass die Gemeinde für den Bau der Außenbahnsteige über die Brücke hinweg wohl selbst Geld in die Hand nehmen müsse. Er bat darum, einen sicheren Radweg-Übergang beim Bau der Ersatzbrücke zwischen Hirschaid und Strullendorf mit Nachdruck zu fordern.
Maßlos enttäuscht ist Bürgermeister Homann, dass sich die Bahn nicht vom "Schienenbonus" und dem "besonders überwachten Gleis" abbringen lässt. Aus diesen Faktoren errechnen sich geringere Lärmschutzmaßnahmen, die Hirschaid wohl mit juristischer Hilfe attackieren wird. Dazu riet auch Josef Haas (SPD). Kurt Barthelmes (WÖB) hält ein Pilotverfahren für geboten. Udo Wüst (FW) glaubt indes nicht an einen juristischen Erfolg. Vielmehr müssten die Parlamentarier der Region dafür sorgen, dass die aktuellen Lärmschutzvorschriften angewandt werden.


Druck auf die Abgeordneten

Um beim Lärmschutz Verbesserungen zu erzielen, will man nach Vorlage des Planfeststellungsbeschlusses der Regierung von Oberfranken eine juristische Prüfung in Erwägung ziehen und gleichzeitig Druck auf die Politiker ausüben. "Eine andere Wahl haben wir nicht," meinte Udo Wüst. Gegebenenfalls müsse man dem Bürger klar machen, dass sich die von ihm gewählten Politiker nicht für ihn einsetzen, mäkelte Barthelmes.