Seit mehreren Jahren stellen der Bund Naturschutz (BN) und auch die Behörden fest, dass die Wiesenbrüter im Aischgrund, der Reichen Ebrach und im Seebachgrund dramatisch abnehmen. Daher hat sich aus einer Initiative der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landratsamtes und der Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach des BN eine "Hilfe für Kiebitze" entwickelt, die rechtzeitig zur Rückkehr der Kiebitze nun ihre Arbeit aufgenommen hat.
Die treibenden Personen für dieses Projekt sind Andreas Sehm (UNB) und Helmut König (BN). Sehm zeichnet für die Finanzierung des Projektes, König für die organisatorische Durchführung.
Der Grundgedanke dabei ist folgender: Über sogenannte Standbeobachter, also Personen, die sich an einigen Tagen der Woche von März bis April bereiterklären, auf frühmorgendliche Balzflüge von Kiebitzen in definierten Arealen zu achten, werden die Basisdaten für mögliche Standorte für Brutflächen gesammelt. Anhand der gemeldeten Balzflüge finden anschließend die Ornithologen, alles qualifizierte Fachleute, die Brutplätze der Vögel heraus und melden sie an die UNB.


Vergütung für Landwirte

Stimmt der Landwirt zu, dass das Nest markiert werden darf, und er um Markierungen beim Eggen, Säen oder anderen Bearbeitungen einen Bogen macht, erhält er dafür einen Ausgleich. Der entstehende Produktionsausfall wird ihm finanziell ersetzt. Die Vergütung liegt laut der Initiative dabei erheblich über dem Verlust.
Im Bereich von Mühlhausen über Baiersdorf bis Kairlindach werden acht Areale beobachtet. Es werden nur Brutplätze auf Ackerflächen beachtet. "Dabei ist das Betreten der Äcker durch die Beteiligten ohne Zustimmung des Landwirts absolut verboten", betont Sehm ausdrücklich.
Helmut König hat für die Beobachtung ein Online-System ausgewählt und so angepasst, dass er für die einzelnen Gruppen als Beobachtungs- und Auswertesystem optimal eingesetzt werden kann. "Durch Setzen von Filtern und Freunden - das sind die Mitbeobachter in einem Gebiet - können die Beobachtungen erheblich übersichtlicher verwaltet werden", erläutert König. Dafür hat er sogar eine eigene Bedienungsanleitung für die Beteiligten geschrieben.
Über eine Aktivitäten-Liste mittels eines weiteren Online-Tools können die Teilnehmer in ihrem Areal die Beobachtungen koordinieren. Mündliche Absprachen sind natürlich weiterhin möglich.
"Mittlerweile sind die Kiebitze in unserem Landkreis eingetroffen, und wurden schon zu Hunderten auf ihren Rastplätzen gesichtet. Viele fliegen weiter, aber etliche bleiben auch hier, und verteilen sich in den nächsten Tagen im Landkreis", erklärt der Ornithologe und Landwirt Thomas Stahl.
Alle Beteiligten hoffen, durch diese Aktion dem Nachwuchs dieser hochgefährdeten Vögel wieder zu mehr Überlebenschancen zu verhelfen. "Durch einen Anstieg an Kiebitzen werden wir sicher auch wieder einen Zuwachs noch gefährdeterer Arten wie Brachvogel, Uferschnepfe und Bekassine erreichen", hofft König. red