Am Samstag, 27. Januar, findet ab 18 Uhr in der Marienkirche der alljährliche Gottesdienst zur Herzog-Wilhelm-Kettenfeier statt. Zu diesem Gottesdienst, in dem für den Frieden gebetet und das Heilige Abendmahl gefeiert wird, lädt Pfarrer Peter Hohlweg alle Christen ein. Der Gottesdienst wird vom Posaunen- und Kinderchor mitgestaltet.
Selbst viele Königsberger wissen nicht genau, was der Anlass für diese Feier ist, die ihren Ursprung in der Geschichte Königsbergs hat. Sie erinnert an Herzog Wilhelm, der am 11. Mai 1598 geboren wurde und ein Spross des Herzogshauses Sachsen-Weimar war. Zum Besitz dieses Hauses gehörten damals Königsberg und rund 32 Dörfer, die dem damaligen Herzog Johann Ernst IV. untertan waren. Während sich dieser mehr um die Verwaltung kümmerte, beschritt sein Bruder Wilhelm die militärische Laufbahn.
Die Reformation hatte das deutsche Volk in dieser Zeit in zwei Lager gespalten: In einzelnen Gebieten galt nur der Glaube, für den sich der Landesherr entschieden hatte. Das Weimarer Haus schloss sich als eines der ersten der Reformation an. Die evangelischen Fürsten fanden sich 1608 zur sogenannten "Union" zusammen, die katholischen Fürsten zur "Liga". Damit war, wie ein Chronist schreibt, der "erste Zunder des nachfolgenden 30-jährigen Krieges (...) gelegt". Dieser begann 1618, vor nunmehr 400 Jahren.
Königsberg, das sich der Union angeschlossen hatte, lag eingekeilt zwischen den zur Liga gehörenden Bistümern Bamberg und Würzburg. Darunter hatte Königsberg zu leiden. Während in den ersten Kriegsjahren schon bischöfliche Soldaten in Königsberg manchen Frevel verübt hatten, waren um 1632 rund 8000 Mann unter der Führung von Tilly in der Stadt einquartiert. In diesem Jahr wurde fast ganz Königsberg durch einen Stadtbrand ein Raub der Flammen.
Herzog Wilhelm nahm auf protestantischer Seite an diesem Religionskrieg teil. In den Diensten des Herzogs von Braunschweig fiel er in die Hände des Feindes und wurde in Neustadt in der Steiermark in Festungshaft gelegt. Dort sollte ihm die Freiheit erst wiedergegeben werden, wenn er als Fürst von der erkannten Wahrheit abfallen würde. Wilhelm blieb jedoch seinem Glauben treu. Am 27. Dezember 1624 wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, unter der Bedingung, dass er nicht mehr zum Schwert greife.


Erster Weg führt nach Königsberg

Sogleich kündete er dem Amtmann von Königsberg seinen baldigen Besuch an. Am 25. Januar 1625 traf er hier gegen Abend ein, wo er von der Bevölkerung mit großer Begeisterung erwartet wurde. Ein Chronist berichtet: "Am Mittwochnachmittag hat der Herzog gebeichtet (...) und auf den folgenden Tag, als den 27. Januarie das Heilig-Abendmahl in Christlich-Fürstlicher Devotion und Andacht empfangen und diesen Tag als einen Dank- und Freudentag mit Vor- und Nachmittagspredigt celebrieret".
Heute noch wird jedes Jahr in Königsberg "in memoriam" Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar ein Gottesdienst abgehalten, denn wie sehr der Herzog mit dem "Castra Kunegesperch" verbunden war, ist daraus ersichtlich, dass er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft zuerst nach Königsberg zurückkehrte, bevor er den Weg nach Weimar über Coburg nahm. Für sein Land blieb der standhafte Bekenner seines Glaubens später ein fürsorglicher Landesherr. Nicht zu vergessen, dass er am 27. Januar 1625 genau 12 000 Gulden für die Stadt Königsberg stiftete, von dessen Zinsen alljährlich bis ungefähr 1770 ein Volksfest auf dem Schlossberg gefeiert wurde.
Auch die Schlossberggemeinde Königsberg fühlt sich heute noch mit der Rückkehr Herzog Wilhelms am 27. Januar verbunden. So hält sie ihre Jahresversammlung immer am Sonntag vor oder nach dem 27. Januar ab, heuer am Sonntag, 28. Januar, 14.30 Uhr, in der Schlossberggaststätte von Königsberg.