Stephan Herbert Fuchs

Wegen dreifachen Hausfriedensbruchs hat das Kulmbacher Amtsgericht einen 49-jährigen Mann aus Helmbrechts zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt.
Der Mann hatte drei Mal innerhalb von zwei Tagen gegen das Hausverbot im Einkaufszentrum "Fritz" verstoßen. Er hatte dort herumgepöbelt, andere Kunden belästigt, gegen die Hauswände uriniert und musste jedes Mal von der Polizei in Handschellen abgeführt werden. Endstation war immer die Ausnüchterungszelle.
Bereits am 10. Juni hatte er ein erstes Hausverbot durch den Sicherheitsdienst im Center ausgesprochen bekommen. Weil er dem nicht nachkam, musste die Polizei ausrücken und den Angeklagten vorübergehend festnehmen. Nur einen Tag später hielt er sich erneut mit der Bierflasche auf einer der Bänke in der Verkaufsstraße auf, schwankte für alle sichtbar und prostete den Kunden zu.
Den erneuten Verweis durch den Sicherheitsdienst ließ er sich nicht gefallen. Wenige Stunden später kreuzte er wieder auf, pinkelte am helllichten Tag an eine Außenwand des Gebäudes und musste erneut von der Polizei abgeführt werden.
Vor Gericht hatte der Mann, der mittlerweile in Helmbrechts lebt, keine Erinnerung mehr an das geschehen. Auch von einem Hausverbot wusste er nichts. Kein Wunder, die Polizei hatte Blutalkoholwerte von über 2,2 Promille festgestellt. Der Angeklagte versicherte aber, dass er mittlerweile aufgehört habe zu trinken, ein geordnetes Leben führe und an seiner jetzigen Wohnstätte Hausmeistertätigkeiten verrichte.
Er sei einige Male ganz heftig vom Angeklagten beleidigt worden, sagte der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Freilich habe sich der deutlich alkoholisierte Angeklagte immer gleich wieder entschuldigt, so dass er keine Anzeige wegen der Beleidigungen gestellt habe. Wohl aber wegen des dauernden Verstoßes gegen das Hausverbot. "Kunden hatten sich schon beschwert, weil er sie angebettelt hatte", sagte der Zeuge. Ausweisen habe sich der Mann auch nicht können, außerdem habe er auf der Bank nahe dem Hinterausgang übernachtet, so dass Ärger vorprogrammiert gewesen sei.
Wieder einmal hatte das Gericht einen Angeklagten mit einem rekordverdächtigen Vorstrafenregister vor sich. 20 Eintragungen hatte der Mann seit 1986, unter anderem 13 Mal wegen Diebstahls. Hinzu kommt Betrug, Unfallflucht, Urkundenfälschung und vieles mehr. Auch eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten und eine weitere von sechs Monaten, beide ohne Bewährung und beide wegen Drogengeschichten waren darunter.
Nicht zuletzt deshalb beantragte Staatsanwalt Ludwig Peer eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Die Bewährung nannte der Anklagevertreter "fast schon eine Gnadenentscheidung" und räumte ein, nicht ohne gewisse Bauchschmerzen dafür zu plädieren. Trotzdem müsse man dem Angeklagten abnehmen, dass er keinen Alkohol mehr trinke und sich schon seit drei Jahren keiner Straftat mehr schuldig gemacht habe.


Striktes Alkoholverbot verhängt

Richterin Sieglinde Tettmann schloss sich dem an. Allerdings verhängte sie zusätzlich 50 gemeinnützige und unentgeltliche Arbeitsstunden sowie ein striktes Alkoholverbot, das nach genauer Weisung des Bewährungshelfers auch regelmäßig kontrolliert werden soll.