Nach über 37 Jahren Dienst im und am Hauptsmoorwald wurde Forstamtsrat Hubert Barth in den Ruhestand versetzt. Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz würdigte in einer Feierstunde im Beisein vieler Kollegen in der Kunigundenruh bei Litzendorf dessen Verdienste und berichtete über die Entwicklung dieses Staatswaldes während der letzten Jahrzehnte.

In dieser - selbst für einen Förster - sehr langen Zeit auf einer Dienststelle hat sich der Hauptsmoorwald, ein damals noch sehr kompakter Kiefernwald, stark verändert, führte Keilholz aus. So erfuhr der ehemals geschlossene Staatswald mit dem Ausbau der Autobahn A 73 tiefe Narben. Außerdem verlor die Kiefer ihre dominierende, den Hauptsmoorwald prägende Rolle. Die in fürstbischöflicher Zeit fast ausschließlich aus Kiefern bestehenden Reinbestände wurden in der Dienstzeit von Hubert Barth konsequent in heute stabilere, klima-tolerantere Mischbestände aus Kiefer, Buche, Tanne, Schwarzerle und Eiche umgebaut, um die Bestände durch Erhöhung der Biodiversität besser gegen Insekten, Stürme, Pilze oder Waldbrände zu wappnen.

Mit großem waldbaulichen Gespür und dem nötigen Pragmatismus habe Barth zur rechten Zeit die Naturverjüngung angeregt, bei passendem Lichteinfall mit Mischbaumarten ergänzen lassen und durch stete Pflege die Mischung und die hohe Qualität der umgebauten Bestände garantiert.

Seine über die Jahre erlangte profunde Kenntnis um die berühmte Hauptsmoorkiefer war in ganz Bayern hoch geschätzt, betonte Keilholz. In Hubert Barths Revier wurde sogar eine Versuchsfläche zur Kiefernpflege angelegt, um Richtlinien für die Behandlung der Kiefern im gesamten Bayerischen Staatswald zu erarbeiten. Der "Röntgenblick" des Revierförsters in das Innere der Kiefernstämme anhand von Rindenmerkmalen werde dabei selbst von den Profis aus den Sägewerken bewundert, weshalb ihm seit vielen Jahre die Leitung des Versteigerungsplatzes für die wertvollsten Hölzer der Region übertragen war.

Schwertlilien, Gelbbauchunken, Molche, Libellen, Edelkrebse und Biber im Hauptsmoor zeigen, dass der Artenschutz stets einen hohen Stellenwert bei dem Forstamtsrat hatte. So ließ er immer wieder neue Feuchtbiotope anlegen, die größten davon 2010 direkt in der Sendelbachaue, wo Fichten abgeholzt wurden. Auch die Trockenstandorte auf der Sandachse Regnitz mit ihrer vielfältigen Insektenwelt, die erhaltenen Methusalembäume, wie "Wendelinuseiche", "Heinrichskiefer" oder "Kunigundeneiche", die vielen geschützten Höhlenbäume für Spechte und Fledermäuse und die gepflegten Waldwiesen tragen zum hohen Artenreichtum im Hauptsmoorwald bei.

Anziehungspunkte sind auch die verschiedenen Martern, wie die Kunigundenruhmarter und die Oberjägermarter, die auf seine Veranlassung 2014 fachgerecht restauriert wurden. Barth war auch Garant für das große Netz gut gepflegter Waldwege im Osten Bambergs, für manch Erholungssuchenden zwischenzeitlich zur gewohnten Selbstverständlichkeit geworden, obgleich die Wege früher in erster Linie dazu gedacht waren, das Holz abzutransportieren. Einige Straßen waren aber auch notwendig für den öfteren Standortwechsel der dort auch stationierten Pershingraketen.

Hubert Barth wurde immer wieder ein großes Verständnis für die kleinen und großen Anliegen Einzelner attestiert und seine große Hilfsbereitschaft betont, von Kirchengemeinden, die ihre "Fronleichnams-Birken" von ihm bekamen, von Kerwas-Burschen, die ihren "Kerwasbaum" im Hauptsmoor fanden, oder von den vielen Holzofenbesitzern, die von ihm ihr Brennholz im Hauptsmoor zugewiesen bekamen. Auch viele Vereine bedauern es sehr, jetzt ihren langjährigen bereitwilligen Ansprechpartner zu verlieren, wie der Reit- und Fahrverein Bamberg Stadt und Land oder die "Vormals privilegierte Schützengesellschaft 1306 Bamberg".

Der Abschied aus dem aktiven Dienst werde ihm dadurch erleichtert, so Forstbetriebsleiter Keilholz, dass er in dem seit 1. November für das Revier Strullendorf zuständigen jungen Kollegen Fabian Tegge einen kompetenten Nachfolger habe. Der gebürtige Lichtenfelser Tegge ist bereits in die Geschäfte des Forstreviers Strullendorf eingewiesen.

Bei dieser Gelegenheit teilte Revierleiter Gerhard Rühling mit, dass im Jahr 2021 wieder ein Geisbergfest am früheren Forsthaus stattfinden werde. Darauf freuen sich bestimmt viele aus den umliegenden Dörfern, die bei den vergangenen Festen dabei waren und schon lange auf eine Wiederholung warten.

Joseph Beck