Im Amtsgericht unter Druck geraten ist am Dienstag ein Verwaltungsbeamter im Landkreis: Hat er über einen mehrmonatigen Zeitraum und schon vor Jahren gegenüber seinem behördlichen Arbeitgeber eine Untreue begangen und Gelder nicht erhoben? Von 14 000 Euro war am Dienstag im Amtsgericht die Rede. Geld, das beispielsweise über Kanal- und Abwassergebühren hätte eingeholt werden müssen, um einem städtischen Haushalt zuzukommen.
Ruhig und sortiert saß der Beschuldigte auf der Anklagebank, seinen Rechtsanwalt Markus Wagner neben sich. Kein lauter Mann, kein unbeherrschter Mann. Dann begann er zu reden und Richter Stefan Jäger und Oberstaatsanwalt Martin Dippold aus seinem Leben zu erzählen.


Tochter schwer erkrankt

Er sei mit mehreren Ressorts betraut gewesen, dann sei vor Jahren seine Tochter schwer erkrankt, und er selbst habe Depressionen bekommen. Darunter schien die Arbeit des Mannes gelitten zu haben, und irgendwann kam er auch mit einer Ausrede an, wonach ein Bauamtsleiter ihm erzählt habe, dass unter gewissen Umständen und gestützt von einem Schreiben eines Bundestagsabgeordneten eine Gebühr nicht mehr erhoben würde. Wie sich herausstellte, war auch er selbst unter den Menschen, denen er eine Gebühr ersparte. Bei ihm selbst betrug sie 300 Euro.
Von Richter Stefan Jäger musste er sich die Frage gefallen lassen, ob er bei seinem Tun auch auf Erreichen einer Art Verfallsdatum für das Zahlen spekuliert habe. Das verneinte der Mann. Als es zu Ressortwechseln kam, wurde eine Kollegin mit seinen Amtsgeschäften betraut. Vor allem auch mit denen, die liegen geblieben waren. Auch sie vertraute eine Weile darauf, dass es mit der Aussage des Bauamtsleiters, wonach es eine Abwasserabgabe nicht mehr gebe, gestützt von dem ihr vom Hörensagen bekannten Schreiben, seine Richtigkeit habe. Dann aber sei auch sie von einer ganz anderen Kollegin gefragt worden, ob sie wieder veranlage. Auf die Entgegnung, wonach das per Bürgermeisteramt abgeschafft worden sei, habe sie erfahren, dass das nicht ginge, sondern wenn, dann eines Stadtratsbeschlusses bedurft hätte. Es habe "drei Wochen gebraucht, bis mir der Kragen geplatzt ist", so die Verwaltungsbeamtin zu den Vorgängen, die ihr unterkamen.


Eine Selbstanzeige verlangt

Als die Sache mit den nicht eingeholten Gebühren ruchbar wurde, "habe ich ihm klargemacht, er muss sich anzeigen, sonst mache ich es". Auch ein Hauptamtsleiter wurde vernommen. "Mit dieser Geschichte bin ich im November 2014 konfrontiert worden", so der Mann, der sogar von einer Schadenshöhe um die 19 000 Euro sprach. Überdies kam es gegen den behördlichen Mitarbeiter auch zu einem Disziplinarverfahren, weil er eine Mail öffnete, welche einen Virus enthielt.
Wie der Prozess ausgehen wird, soll sich an einem Fortsetzungstermin entscheiden. An einem Freitag, den 13., sollen noch vier weitere Zeugen aussagen. Hintergrund: Gedächtnislücken des Angeklagten. Eines aber machte Jäger schon zum ersten Verhandlungstag deutlich: "Eine Verfahrenseinstellung kommt nicht infrage."