Roel Moors redete nicht lange um den heißen Brei herum, sondern Klartext: "Ich muss mich bei den Fans entschuldigen. Sie waren großartig und haben uns zu jeder Zeit unterstützt. Aber wir haben es ihnen nicht zurückgezahlt. Was wir in den ersten 25 Minuten gezeigt haben, war beschämend", sagte der Trainer von Brose Bamberg nach dem zweiten schwachen Auftritt seines Teams in der Basketball-Champions- League.

Eine Woche nach dem 71:91 bei ERA Nymburk bezog der Bundesligist im ersten Heimspiel mit 58:73 gegen Nischni Nowgorod die zweite klare Niederlage und ist damit zusammen mit dem nächsten Gegner Gaziantep Basketbol und KK Mornar Bar in der Gruppe C noch sieglos.

Moors ging mit seinen Spielern zurecht hart ins Gericht: "Jeder Einzelne muss in den Spiegel schauen und sich fragen: Habe ich heute alles gegeben? Wir müssen jetzt genau analysieren, wie es sein kann, dass wir mit so wenig Einsatz ins Spiel gegangen sind. Wir müssen in den nächsten Partien ein anderes Gesicht zeigen."

Schwache Trefferquote

Die Leistung der Bamberger ähnelte frappierend der der Vorwoche. Sie verschliefen abermals den Start und lagen zur Pause (24:46) bereits weit zurück. Wie gegen Nymburk entschieden die Oberfranken das Reboundduell für sich. Wenn man von 62 Feldwurfversuchen nur 17 trifft (27 Prozent), hat man natürlich auch mehr Gelegenheit, sich Offensivrebounds (17) zu holen.

"Wir müssen schnellstens lernen, die erste Halbzeit nicht zu verschlafen. Das ist uns jetzt schon zum zweiten Mal passiert", meinte Elias Harris, der mit 15 Punkten trotz mäßiger Trefferquote (33 Prozent) bester Werfer seines Teams war und sich zusammen mit Louis Olinde (11/30 Prozent) in der zweiten Hälfte gegen ein drohendes Debakel stemmte. Das schien sich zu Beginn des dritten Viertels anzubahnen, als die Gastgeber mit 28 Punkten zurücklagen (27:55).

Sieben Zähler im zweiten Abschnitt waren Ausdruck der Bamberger Hilflosigkeit vor der Pause. "Wir haben physisch keinen Zugriff auf das Spiel bekommen. Sie haben uns herumgeschoben, wie sie wollten", meinte Harris. Ähnlich drückte es Aufbauspieler Brandon Brown, mit 19 Punkten erfolgreichster Korbschütze der Russen aus: "Wir haben die Richtung vorgegeben, offensiv wie defensiv."

Es war bekannt, dass Nischni Nowgorod unter dem langjährigen serbischen Trainer Zoran Lukic körperbetont spielt. In den letzten beiden Jahren hat Moors dafür Lösungen gefunden. Mit den Telenet Antwerpen warf der jetzige Brose-Coach die Russen zweimal aus der Champions League (2017/18 in der Qualifikation und in der vergangenen Saison im Viertelfinale). Den Bambergern konnte der Belgier nicht vermitteln, was sie erwarten würde. "Wir haben 25 Minuten gebraucht, um zu merken, dass wir gegen ein sehr physisches Team spielen", sagte Moors. Warum das so war, darauf wusste Neuzugang Christian Sengfelder keine Antwort: "Das müssen wir analysieren."

Nur vier Dreier getroffen

Immerhin bäumten sich die Bamberger nach der Pause noch einmal auf. Dank wesentlich besserer Verteidigungsarbeit gestatteten sie ihrem Gegner im dritten Abschnitt nur 13 und im vierten 14 Zähler, doch in den einstelligen Bereich konnten sie den Rückstand nicht mehr drücken.

Das lag daran, dass offensiv zu wenige Spieler ihren Beitrag leisteten. Center Assem Marei (zwei Punkte) schmorte nach schwachem Start zu Beginn und nach der Pause auf der Bank, die Neuzugänge Kameron Taylor (3), Michael Carrera (2) und Tré McLean (0) waren ebenfalls kein Faktor.

Hinzu kam eine schlechte Dreierquote von 17 Prozent (vier Treffer bei 24 Versuchen), die eine Aufholjagd unmöglich machte. Distanzwürfe von Lee, Retin Obasohan (jeweils zehn Punkte) und Harris berührten nicht einmal den Ring und waren Zeugnis des verkrampften Angriffsspiels der Oberfranken, die nur acht Assists zu Buche stehen hatten (Nowgorod 19).

Gästecoach Lukic meinte zwar: "Die Bamberger werden ihre Form noch finden." Doch das sollte besser schnell geschehen, denn mit Leistungen wie gegen Nowgorod ist der Kredit, den das neu zusammengestellte Team bei den Fans noch hat, bald verspielt.