holger Peilnsteiner

Verschollene, beschädigte, geraubte, aber auch wiederhergestellte Kunstschätze der Plassenburg waren Thema beim Historischen Stammtisch in der Burgschänke "Al Castello". Intensiv forschen der Kreisheimatpfleger Harald Stark und die Freunde der Plassenburg seit der Landesausstellung "Bayern und Preußen" im Jahr 1999 nach dem Schicksal der ehemaligen Hohenzollerngalerie. Dabei handelte es sich um eine Sammlung von mehr als 200 Gemälden, die bis 1807 die Große Hofstube der Burg schmückten.
Stark ermittelte mit freundlicher Unterstützung von Gerd Bartoschek, dem ehemaligen Custos der Gemäldesammlung der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten, einiges über den Verbleib von etwa einhundert der Bilder. Sie befinden sich heute unter anderem in Berlin, Brandenburg und Russland. "Die Bilder zeigen vor allem Mitglieder der Familie Hohenzollern, zahlreiche Offiziere aus ihren Diensten und gekrönte Häupter", so Stark. Die Zollern sammelten seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Gemälde auf der Burg, die teils von Auftragskünstlern wie Lukas Kranach oder von fest angestellten Hofmalern wie Heinrich Bollandt oder Andreas Riehl dem Jüngeren stammten.
Vor gut 200 Jahren begann dann die Odyssee der Plassenburger Galerie. Am 25. November 1806 ergab sich die preußische Festung Plassenburg den belagernden bayerischen und französischen Truppen, die Bilder wurden zeitweise in den Archivgewölben in Sicherheit gebracht. 1810 erschienen preußische Abgesandte auf der Plassenburg, die 234 der Gemälde in einer Liste erfassten und deren Transport nach Berlin veranlassten. Die Mehrzahl der Bilder fand erst ab 1822 eine neue Heimat in den Schlössern der Familie Hohenzollern in Preußen. 138 davon wurden laut Stark zunächst in den Gemäldebestand des ehemaligen Berliner Stadtschlosses aufgenommen. In der Folge kamen einige der Porträts ins Schloss Grunewald, ins Schloss Monbijou und andere Residenzen der Hohenzollern.
Im dritten Reich "liehen" sich auch Nazi-Größen wie Hermann Göring das eine oder andere der Plassenburger Porträts aus. Der zweite Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre brachten schwere Verluste für die Galerie. Nahezu alle Schlösser, die den Bildern eine neue Heimat gaben, wurden schwer beschädigt oder völlig zerstört. Die Sowjetunion beschlagnahmte etliche der Gemälde für ihre sogenannte Trophäenkommission. Diese Bilder sind heute noch in Russland, teilweise in berühmten Einrichtungen wie dem Puschkin-Museum in Moskau. Besonders bedauerlich sei im Jahr 1945 der Verlust eines Porträts von Markgraf Albrecht Alcibiades, das im Zeughaus in Berlin ausgestellt war.
Doch es gibt auch gerettete Bilder, die auf die Plassenburg zurückgekommen sind: Zwei lebensgroße Darstellungen der mythischen Grafen Tassilo und Rudolf von Zollern waren Stars der Landesausstellung Bayern und Preußen 1999. Sie gehörten zu einer Reihe von vermutlich 12 Ganzkörperporträts, von denen noch weitere vier in Potsdam erhalten sind. Auch das lebensgroße Totenbild von Markgraf Georg Friedrich von 1603 ist auf die Plassenburg zurückgekehrt.
Stark gab anhand der noch erhaltenen Porträts einen Überblick über die ehemalige Plassenburger Sammlung. "Es lässt sich eine genealogische Familiengeschichte der Hohenzollern vom 16. bis ins 18. Jahrhundert anhand der Gemälde zeigen". Zwei in Öl auf Leinwand gemalte Stammbäume, die einst zu der Sammlung gehörten, würden diesen fanmiliengeschichtlichen Aspekt noch unterstreichen. "Einer der riesigen Stammbäume ist restauriert und jetzt auch wieder auf der Plassenburg zu sehen", freute sich Stark.
Im Anschluss entspann sich im Publikum eine Diskussion über den Verbleib und die mögliche Rückgabe der Gemälde. Der stellvertretende Vorsitzende der Freunde der Plassenburg, Holger Peilnsteiner, betonte, dass es keinerlei Anspruch auf die von den Hohenzollern selbst vor über 200 Jahren nach Brandenburg und Preußen gebrachte Familiengalerie von Kulmbacher Seite geben könne. Die Stücke, die nach Russland gelangt sind, würde man gerne gepflegt und wieder ausgestellt wissen, am liebsten in Berlin-Brandenburg oder auf der Plassenburg.