Wenn dieser Bildstock reden könnte - was könnte er uns erzählen? Dass er im süddeutschen Raum auch Marter oder Marterl genannt wird, dass er aus drei Teilen besteht: Aufsatz, Säule und Sockel und dass er mehr als 300 Jahre alt ist, und somit das älteste Baudenkmal von Stublang. Er datiert von 1689.

Was war in dieser Zeit, als Antonio Vivaldi elf Jahre, Johann Sebastian Bach vier Jahre alt war und Balthasar Neumann gerademal zwei? Nach vorausgegangenen Epochen, in denen viele Schriften und Dichtungen in Lateinisch verfasst waren, begann im Barock die Zeit der deutsch-sprachigen Literatur. Der Speiseplan der Bauern sah schlicht aus: Neben Suppe, Gemüse, Mehlspeisen, Milch und Brot gab es Fleisch nur an Festen. Das Bürgertum leistete sich Fleisch an jedem Sonntag. Der Adel hingegen schwelgte im Überfluss, dazu floss reichlich Wein. Pestepidemien, Hexenverfolgung und der 30-jährige Krieg prägten dieses Jahrhundert.

55 Anwesen in Stublang

Nach dem verheerenden Stadtbrand in Staffelstein (5. Juli 1684) waren noch immer viele Handwerker - auch von auswärts - mit dem Wiederaufbau der Häuser und Anwesen beschäftigt. In Stublang wurde auf der Dornigseite Raseneisenerz abgebaut, das Erz mit Holzkohle verhüttet. Im frühen 17. Jahrhundert bestand Stublang aus 55 Anwesen, die sich auf sieben Grundherren verteilten. Außerdem nennt das Archiv von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold zwei gemeindliche Häuser: die Schmiede und das Hirtenhaus. Der Ort besaß eine Winterschule im alten Gemeindehaus, eine ganzjährige Schulpflicht gab es nicht. Stublang war fest ins Hochstift Bamberg eingebunden. Es gab eine Kapelle mittelalterlichen Ursprungs, die sich außerhalb der Ortschaft, etwa an der Stelle des jetzigen Wasserhochbehälters, befand. Sie war den beiden Heiligen "Nicolai et Gumberti" gewidmet.

Ende Februar 2019 wurde das knapp eine Tonne schwere Marter vom Bauhof in Bad Staffelstein abgeholt und zur Restauration gegeben. Auftraggeber war die Soldatenkameradschaft Stublang mit ihrem kommissarischen Vorsitzenden Wolfgang Herold. In Handarbeit reinigten, ergänzten und restaurierten Steinmetz Hans-Karl Schober und Steinmetzmeisterin Diana Kerner das in drei Teilen zerlegte Sandsteindenkmal. Bereits dreimal zuvor war das Marter von den Familien Werner Drescher und vormals Kerner zu einem Restaurator gegeben worden. Schon vor der Einlagerung  - die Familie Drescher ließ das Wohnhaus mit der Hausnummer 53, vor dem die Marter stand, abreißen - sollte ein neuer Standort gefunden werden. Nun hat es endlich geklappt: Am Montagvormittag rückte die einheimische Steinmetzfirma an und setzte das Denkmal in Kirchennähe auf ein extra dafür angelegtes Fundament.