Heike Schülein Geschickt balancieren Pfarrer Thomas Teuchgräber, Kerstin Sperschneider, Evi Kohl-Dümlein und weitere Mitglieder des Rotary Clubs Kronach jeweils zwei gut gefüllte Teller mit Gemüsesuppe durch die "Rosenbergalm". Gar nicht so einfach.

Dies gilt auch für den anschließend aufgetischten Hauptgang mit Rinderbraten, Klößen und Blaukraut, während die kleinen Nachspeisen-Törtchen schon bedeutend leichter an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen sind ... In die Rolle der Servicekräfte schlüpften die Rotarier, um rund 100 Bedürftige aus dem Landkreis Kronach mit einem festlichen Drei-Gänge-Menü zu bewirten.

"Die Idee für ein solches kostenloses Essen entstand während meines rotarischen Jahres", erzählt Matthias Rebhan, der das jährlich wechselnde Präsidentenamt vom 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 innehatte. Auf seine Initiative hin wurde das Projekt in mehreren Sitzungen ausgearbeitet. Nachdem man zunächst ein Weihnachtsessen plante, wurde es nunmehr als Neujahrstafel durchgeführt. "Wir dachten, dass die Vorweihnachtszeit eh mit Veranstaltungen gut gefüllt ist. Vielleicht ist auch die Wertigkeit als Neujahrsessen etwas höher", erklärt Kerstin Sperschneider, die ab Juli 2020 das Amt vom derzeitigen Präsidenten, Pfarrer Thomas Teuchgräber, übernehmen wird, die damaligen Überlegungen. Hinsichtlich der Lokalität war man sich sofort einig: Die "Alm" sollte es sein, insbesondere wegen der zentralen Lage und der schönen Atmosphäre. Zudem sei das Platzangebot genau richtig für 100 Personen, zu denen Caritas-Sozialpädagogin Irene Piontek den Kontakt hergestellt hatte. Piontek hatte auch die Verteilung des vorhandenen Kontingents an Eintrittskarten koordiniert.

96 Festgäste kamen

Eingeladen in die für den Tag kostenlos überlassene "Alm" waren finanziell schwächere Kronacher. Willkommen hieß sie Pfarrer Thomas Teuchgräber: "Wir machen das heute, weil wir es einfach einmal probieren möchten", sagte er zu den Besuchern. Bei den Gästen handelte sich überwiegend um Kunden des Caritas-Sozialladens und Inhaber eines Berechtigungsscheins. Personen mit geringem Einkommen können im "Lädla" zu verbilligten Preisen Grundnahrungsmittel einkaufen. Piontek hatte dort Listen ausgelegt beziehungsweise die Kunden darauf angesprochen oder Einladungen geschickt. Ein Angebot, das auf viel Zuspruch stieß, sodass 96 Anmeldungen vorlagen. Beim Betreten erhielten die Gäste auch Getränke-Marken, sodass der komplette Abend für sie kostenlos war.

Die warmen Speisen wurden von der Metzgerei Kraus, die Nachspeise vom Backhaus Müller zubereitet, deren Inhaber ebenfalls Clubmitglieder sind. Serviert wurde Gemüsesuppe als Vorspeise, während als Hauptgericht Braten von Schottischen Hochlandrindern mit Klößen und Blaukraut sowie Schlupfnudeln als vegetarische Alternative zur Auswahl standen. Zum Nachtisch gab es leckere Törtchen in verschiedenen Varianten.

Mit Glühweinstand finanziert

Finanziert wurde der Abend insbesondere durch Einnahmen des Glühweinstands beim Kronacher Weihnachtsmarkt. "Da das Geld hier eingenommen wurde, wollten wir, dass die Einnahmen wieder den Bürgern im Landkreis zugutekommen", verdeutlicht Sperschneider. Zudem wollte man etwas Praktisches machen, bei dem die Mitglieder selbst mit anpacken. Gemeinsam bemühten sich die Rotarier dann auch sehr, den jahrgangsmäßig bunt gemischten Besuchern einige schöne Stunden zu bereiten. Hierzu zählte auch eine schöne Dekoration der Festtafeln, an denen man in durchwegs strahlende Gesichter blickte. Während sich die Erwachsenen austauschten, sausten die jüngsten Besucher herum. Die Dankbarkeit und die Freude waren bei allen groß.

Durchwegs gelobt wurden das leckere Essen, die nette Bewirtung und die damit verbundene Wertschätzung. Die meisten Gäste waren zum ersten Mal so schick essen. "Man kommt einfach mal raus und unter die Leute. Wenn man nicht so viel Geld hat, bleibt man mehr für sich", erzählt ein Mann, der sich nicht mehr daran erinnern kann, zuletzt so viel und so gut gegessen zu haben. "Das könnte ich mir nie leisten. Das Geld reicht ja jetzt schon nicht." In der "Alm" war er noch nie, was wohl für die meisten der Besucher gilt. "Ich weiß, dass es die Rosenbergalm gibt und dass viele junge Leute gerne hierher gehen; aber ich war noch nie hier", ergänzt eine Frau, die sich freut, die "Alm" nun auch einmal von innen zu sehen. Einige ihrer Tischnachbarn kennt sie vom "Lädla". "Es ist einfach ein schöner Abend. Die haben sich alle viel Mühe gegeben", sagt sie glücklich.

Zum "schönen Abend" zählte auch ein kurzweiliges Rahmenprogramm, dessen Mitwirkende ebenfalls ehrenamtlich auftraten: Das Duo "Kiwi", bestehend aus Kilian Piontek an der Gitarre und Victoria Eidloth am Akkordeon, unterhielt mit toller Musik, darunter auch typische Frankenlieder.

Passend zum Hauptgericht frönte der Ehrenpräsident der Kroniche Fousanaocht, Robert Porzelt, in seiner Rede "Ohne Kloß nichts los" dem wichtigsten fränkischen Lebensmittel.

Nächstes Jahr Mittagessen

"Weil es ein so schöner Erfolg war, soll sich das Essen etablieren und wir werden ein solches auch im nächsten Jahr wieder veranstalten", kündigte Sperschneider an. Vermutlich werde man ein Mittagessen anbieten, um gerade auch jungen Familien sowie Senioren die Teilnahme zu ermöglichen.