Die Grünen wollen Burgkunstadt "grüner, lebendiger und lebenswerter machen", stand auf den Flyern zu lesen. Lust dabei mitzumachen hatten manche. Mehr als ursprünglich gedacht. Zehn Plätze hatte man in der Kleinkunstkneipe "Rösla" reserviert, am Ende waren es viermal so viele, die besetzt waren.

Das Treffen geriet zu einem lebendigen Meinungsaustausch über Themen wie Verkehr, Energie und Gastronomie bis hin zu öffentlichem Nahverkehr, einem Regionalwarenmarkt und der Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft zwischen Alten- und Burgkunstadt sowie Weismain. "Ich bin ganz baff", stellte Kreisvorstandssprecher Valentin Motschmann erfreut fest. Getreu dem Sprichwort "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen" hatte er darauf hingewiesen, dass die Grünen in Burgkunstadt in diesem Jahr von einem auf vier Mitglieder gewachsen seien.

Marktplatz nur noch Parkplatz

Die Idee zur Gründung einer grünen Liste hatte der Burgkunstadter Andreas Kothmann, der nach eigener Aussage das Motzen satt hat und sich mit eigenen Ideen einbringen möchte. Die erste des Abends kam von ihm. Der Marktplatz, der zu einem reinen Parkplatz verkommen sei, brauche mehr Grün. Zudem äußerten er und andere den Wunsch nach mehr Gastronomie und einem Regionalwarenmarkt. Thomas Krähling bemängelte, dass sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum nichts getan habe.

Thomas Bruckner sprach sich dafür aus, Radwege besser auszuschildern, stieß zugleich aber auch ein Thema an, das polarisierte: Eine Reduzierung der zulässigen Geschwindigkeit innerorts auf 30 Stundenkilometer. Bei einer Abstimmung votierte die Mehrheit für ein solches Tempolimit, aber die Bedenkenträger hielten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. "An Tempo 20, das derzeit auf dem Marktplatz gilt, hält sich niemand", sagte Christa Grosch. Gerhard Sievert warnte davor, dem politischen Gegner Wahlkampfmunition nach dem Muster "Schaut her, schon wieder diese Verbotspartei" zu liefern. Fips Callens sprach sich für mehr Transparenz in der Kommunalpolitik aus, die Burgkunstadter Stadträtin Edith Berg für den Bau von Freiflächenphotovoltaikanlagen und Ulrike Dingelreiter für mehr Inklusion im täglichen Leben. Nach Ansicht Sieverts sollte Burgkunstadt klimaneutraler werden.

Auf Unverständnis und Verwunderung stieß die Tatsache, dass die drei Nachbarkommunen nicht stärker zusammenarbeiteten. Matthias Huth sprach sich für die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft aus. Auch die Schaffung eines gemeinsamen Jugendparlamentes steht auf der Agenda der Grünen ganz oben. Melanie Vonbrunn sprach sich gegen die geplante Umgehung von Mainroth und Rothwind aus und forderte stattdessen mehr öffentlichen Personennahverkehr. Dabei, so die Mainkleinerin, dürfe man nicht in Landkreisgrenzen denken. Sie beklagte, dass es keine landkreisübergreifende Buslinie gebe, obwohl viele Bürger im östlichen Landkreis Lichtenfels im Nachbarlandkreis Kulmbach arbeiteten. Bei der Veranstaltung am Donnerstagabend im "Rösla" sah man so manches Gesicht, das man auch von Veranstaltungen des Bürgervereins her kennt. Am Donnerstag, 26. September, um 19 Uhr findet im "Rösla" das nächste Treffen zur Gründung einer grünen Liste statt.

Grüne Liste auch in Michelau?

Auch in der Gemeinde Michelau wollen die Bündnisgrünen erstmals bei einer Kommunalwahl mit einer Liste antreten. Alle Interessierten sind eingeladen, am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Gasthof "Zum Stern" in Schwürbitz über grüne Themen zu diskutieren.