Andreas Dorsch Als Manfred Bachmayer, Sprecher der Grünen im Landkreis Erlangen-Höchstadt, gestern nach der Kreistagssitzung in Erlangen in den Bus nach Eschenau stieg und fünf Euro für die einfache Fahrt hinlegen musste, wurde ihm einmal mehr klar, dass der ÖPNV günstiger werden muss.

Dieses Ziel will der Kommunalpolitiker der Grünen jetzt mit Nachdruck verfolgen und bekommt dabei mächtig Rückenwind von den 22 Prozent, die seine Partei bei der Europawahl im Landkreis bekam. Die Grünen sind jetzt auch in Erlangen-Höchstadt zweitstärkste Kraft, mit über zehn Prozent Vorsprung vor der SPD. "Wir müssen jetzt auf allen Ebenen Verantwortung übernehmen und konkret sagen, was wir wollen", sagt Kreissprecher Bachmayer im Gespräch mit dem FT. Dass das geht, zeige man schon in Baden-Württemberg.

Bachmayer will jetzt die Basisarbeit stärken, in der Region neue Ortsverbände gründen und in die Kommunalparlamente einziehen. Überlegen wolle man, was der Kreis in Sachen Klimaschutz machen kann, und beim öffentlichen Personennahverkehr wollen die Grünen nachbessern. Das Angebot sei zwar gut, es scheitere aber am Preis.

Inwieweit ihnen da Landrat Alexander Tritthart (CSU) und dessen CSU-Fraktion entgegen kommt, wird sich zeigen. Das Abschneiden der Grünen überrasche ihn gar nicht, sagt Tritthart, "das ist der Trend". Das Ergebnis der CSU im Kreis sei mit 38 Prozent "nicht schlecht", er habe sich aber mehr erhofft. Nicht überrascht ist Tritthart von den elf Prozent der SPD, zu denen er sich aber nicht äußern möchte. Froh ist er, dass die AfD nur auf knapp acht Prozent kam.

"Einen Tick mehr" hätte der Landrat bei der trotzdem guten Wahlbeteiligung von 66 Prozent erwartet. Die weit gesplitteten Ergebnisse in den einzelnen Gemeinden zeigen, "dass es mehrere verschiedene Regionen im Kreis gibt". Je näher die Gemeinden an Erlangen liegen, desto besser schnitten die Grünen ab. Aus der Europawahl Schlüsse auf die Kommunalwahlen im nächsten Jahr ziehen könne man aber nicht, sagt Tritthart.

Eine "persönliche Katastrophe" ist die Europawahl für die SPD-Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich. "Egal was wir tun, wir bringen nicht rüber, was wir wollen", sagt die Möhrendorfer Abgeordnete dem FT. Sie führt das auf die Zerrissenheit ihrer SPD zurück. Die, die bei der Mitgliederbefragung gegen die Beteiligung an der großen Koalition gestimmt haben, hätten die Mehrheitsentscheidung nie akzeptiert, stellt Stamm-Fibich mit Bedauern fest. Wenn die SPD den Verfall ernst nimmt, sei jetzt der Zeitpunkt da, "um neues Personal aus der zweiten und dritten Reihe nach vorne zu schieben". Auswirkungen des schlechten Ergebnisses der SPD auf die große Koalition befürchtet Stamm-Fibich "vorerst nicht, aber es wird ein heißer Herbst".

An der Basis findet Höchstadts SPD-Vorsitzende Mechthild Weishaar-Glab, dass sich die Führung in Berlin neu aufstellen muss, "sonst können wir ackern, wie wir wollen". Die elf Prozent im Landkreis sind für Weishaar-Glab enttäuschend und die knapp zehn Prozent in Höchstadt noch mehr. Im Ortsverein werde man sich trotzdem nicht unterkriegen lassen. Obwohl es allen so gut geht, wundert sich die SPD-Vorsitzende über das Abschneiden der AfD in Höchstadt, die mit 627 Stimmen sogar drei mehr bekam als die SPD.

Das und das Gesamtergebnis der Europawahl sorgen beim Höchstadter AfD-Vorsitzenden Christian Beßler für Zufriedenheit. "Wir haben das Potenzial, stärker als die SPD zu sein", sagt er. Am Erstarken der Grünen sei für ihn die große Koalition schuld. Auch Beßler will nicht von der Europa- auf die Kommunalwahl schließen: "Da wählt man Personen und da fehlen uns die bekannten Gesichter."