Michael Busch Wichtige Städte haben einen Bahnhof. Der Meinung sind zumindest die Mitglieder der Eisenbahnfreunde Erlangen-Bruck. Diese waren auch enttäuscht, als 1984 der Personenverkehr zwischen Erlangen und Herzogenaurach eingestellt wurde, so dass in der Folgezeit der Herzogenauracher Bahnhof gar nicht mehr benötigt wurde. 1985 kam es sogar zum Abriss des Backsteinbaus, der zuvor gut 90 Jahre das Stadtbild mitgeprägt hatte.

Doch nun keimt Hoffnung bei den Nostalgikern auf, wie es in einer Mitteilung der Eisenbahnfreunde an die Presse heißt. Offensiv heißt es bereits im ersten Satz des Schreibens durch den 1. Sprecher Günter Strobel: "Die Stadt Herzogenaurach könnte nach langer Dauer wieder einen eigenen richtigen Bahnhof erhalten."

Zwei mögliche Varianten

Auf diesen Rückschluss sei man gekommen, nachdem die Zeitschrift "Schiene aktuell" (Heft Nr.2/2019, Seite 21) sich mit dem Thema Neubaustrecke Nürnberg - Würzburg beschäftigt habe. Dort sei zunächst beschrieben, dass die ICE-Züge Nürnberg - Brüssel/Amsterdam über Frankfurt und Köln seit der Einführung im Jahr 1991 zwischen Nürnberg und Würzburg auf einer Trasse verkehren, die seit 1854 bestehe. Geschwindigkeiten von maximal 70 Kilometer in der Stunde seien keine Seltenheit.

Dem wolle die Bahn nun entgegentreten. Der eine Vorschlag sieht eine Neubaustrecke entlang der Autobahn A 3 vor. Eine nach Erkenntnissen der Eisenbahnfreunde Erlangen-Bruck nicht favorisierte Variante, da in Nürnberg ein Richtungswechsel erforderlich werde.

Die zweite Variante sei allerdings deutlich interessanter. Diese sieht vor, dass im Großraum Nürnberg eine Streckenführung westlich des Stadtgebietes von Herzogenaurach erfolgen solle. In der Folge hieße dies für die Stadt, dass dort ein Halt für einen Regionalexpress anstehen könnte. Vergleichbare Bahnhöfe gebe es in Kinding, Montabaur oder Allersberg, sprich es handelt sich im Grunde um zweckmäßige Bahnsteige, die ein Ein- und Aussteigen ermöglichen, aber keinen "klassischen Bahnhofscharakter" mehr hätten.

Doch die Eisenbahnfreunde sehen einen "entscheidenden Vorteil": Der wäre zweifelsfrei, dass die nach Westen verlängerte Aurachtalbahn diesen Halt ebenso anfahren könnte. Entsprechenden Vorschlag machen die Eisenbahnfreunde im gleichen Schreiben: "Die im Jahr 1894 eröffnete Nebenbahnstrecke müsste lediglich in zwei Unterwegsbahnhöfen um die Begegnungsgleise erweitert werden, die in den 1980er Jahren zurückgebaut wurden, um dann in Folge einen fünf Kilometer langen Anschluss an den dann wieder neuen Bahnhof in Herzogenaurach zu erhalten.

Wasser im Wein

Aber die Eisenbahnfreunde wären nicht die Eisenbahnfreunde, würden sie ihre Bedenken zur Stadtumlandbahn (StUB) nicht in diesem Zusammenhang äußern können: "Die StUB über Haundorf und Häusling kann von diesem Bahnhof keinen Nutzen ziehen, da die direkte Verbindung auf das Streckennetz der DB fehlt. Ob eine Anbindung der StUB bei einer Streckenführung entlang der Autobahntrasse möglich gewesen wäre, wissen wir nicht!"

In der Ausgabe Schiene aktuell (eine Zeitschrift diverser Eisenbahnvereine) gibt es allerdings einen Hinweis, der die Hoffnung auf einen "schnellen Bahnhof in Herzogenaurach" in weite Ferne rückt. "Die neue Strecke zwischen Nürnberg und Würzburg gehört aber nicht zur ersten Ausbaustufe und wird daher wahrscheinlich nicht vor 2040 fertig." Bis dahin fließt sicher noch viel Wasser die Aurach hinunter respektive werden viele Schienen der StUB verlegt sein.