matthias EInwag Auf den Krieg muss er angesprochen werden. Von sich aus spricht er nicht über seine Erlebnisse. Viel lieber löst er Kreuzwort- und Zahlenrätsel - und lässt sich von seiner elektronischen Freundin "Alexa" unterhalten, die ihm Schlager im Internet sucht und vorspielt.

Hans Pfadenhauer ist 92 Jahre alt. Als junger Mann wurde er zur Wehrmacht eingezogen und erlebte die Schrecken des Krieges an der Front in Russland. Vieles, was er damals erlebte, geht ihm noch heute nahe. In geistiger Klarheit erzählt er ohne zu verklären darüber - wenn er gefragt wird. Über seine drei schweren Verwundungen sagt er fast philosophisch: "Der liebe Gott wollte mich nicht haben."

Einmal, als Hans Pfadenhauer neben einem Kameraden kniete, um dessen Kopfverletzung zu verbinden, wurde er selbst an der Hand verwundet. Ein andermal trafen ihn mehrere kleine Granatsplitter am Kopf.

Das Bein sollte amputiert werden

Die dritte Verletzung war die schwerste: Ein fünf Zentimeter langer Granatsplitter drang in seinen Oberschenkel ein. Die Ärzte im Lazarett wollten sein Bein amputieren; doch weil die Front näher rückte, musste das Feldlazarett evakuiert werden. Hans Pfadenhauer kam in ein Lazarett in Thüringen, wo unter besseren medizinischen Bedingungen sein Bein erhalten werden konnte.

Die angreifenden Russen, die in Scharen auf seine Stellung zustürmten, lassen ihm keine Ruhe. Welle um Welle kamen die gegnerischen Soldaten näher. "Das is' in meinem Kopf eingeprägt", sagt er, "ich hoff', dass sowas nie mehr passiert." Einmal, erzählt er, hätten die deutschen Soldaten den Russen zunächst noch zugewunken, weil sie meinten, aus der Ferne kämen eigene Leute gerannt. Doch dann bemerkten sie ihren Irrtum: "Du hast gedacht, die Ameisen kommen aus der Erde raus!", beschreibt er den Anblick. Seine Waffe hatte "einen Hülsenreißer". Er konnte nicht schießen und flüchtete in panischer Furcht: "Ich bin noch nie so schnell gelaufen, ich hab' mich sogar überschlagen." Später, als er in Sicherheit war, bemerkte er, dass die Werkzeugtasche, die er am Leib trug, durchschossen war.

Mitleid mit russischen Bauern

An die einfachen Menschen, denen er in Russland begegnete, denkt er mit Wehmut. An eine Frau etwa, die ihm half, seine durchnässten Kleider und Filzstiefel auf dem großen Ofen ihres Hauses zu trocknen und ihm erzählte, dass ihr Sohn gefallen sei.

An lebensgefährlichen Situationen fehlte es im Leben des damals 18-/19-Jährigen nicht. "Ich hab' an Schutzengel g'habt", sagt Hans Pfadenhauer, der viele seiner Kameraden hat sterben sehen. Einen Soldatenfriedhof besuchte er aber nie. "Ich will mei' Ruh' haben, keine Gräber sehen", sagt er und beschreibt den Anblick verbrannter Panzerbesatzungen. "Ich denk' fei oft an die arma Leut'" - fügt er an und meint sowohl Soldaten, Flüchtlinge und russische Bauern. "Es sind Erlebnisse dabei, die mich heute noch berühren."