Lilo Pöhlmann, geborene Schmiedel, war in den 50er und 60er Jahren die "Grande Dame" des Kulmbacher Kinos. Ihr gehörte das Lichtspielhaus "Die Camera" in der Langgasse mit nahezu 500 Sitzplätzen. Dieser Tage konnte sie im Kreise ihrer Familie ihren 95. Geburtstag feiern.

Die Jubilarin lebt heute noch in ihrem Geburtshaus aus dem 17. Jahrhundert, in dem zu Urgroßvaterszeiten eine Lohngerberei betrieben wurde. Später wurde daraus das Zigarren- und Tabakhaus Schmiedel, das ihr Vater unterhielt.

Was Lilo Pöhlman auch heute noch zu schätzen weiß: "Ich hatte ein sehr, sehr behütetes Elternhaus und wuchs hier mit zwei Schwestern auf. Ich hatte allerdings einen strengen Vater, der sehr auf seine Töchter geachtet hat."

"Die Camera" hat Lilo Pöhlmann bis 1968 geführt. Mit ihrem Lebensgefährten Friedel Thomas eröffnete sie später das Burgtheater am Kressenstein. Sie wollte eigentlich einen ganz anderen Berufsweg gehen. "Aber dann ist der jüngste Bruder meines Vaters, der das Kino betrieb, gestorben. Meine Tante wollte es nicht übernehmen. Sie kam zu mir und sagte, ich sollte das machen." Auch ihr Vater habe ihr gut zugeredet. "Es war für mich zunächst wie ein Schock, aber ich hatte natürlich schon immer mitgeholfen, insofern war mir die Arbeit nicht fremd. Ich hatte einen eigenen Filmvorführer, auf den ich ganz und gar angewiesen war. Ich musste mich mit dem immer arrangieren", erinnerte sie sich. Und: "Der Umgang mit den Besuchern im Kino gefiel mir besonders."

Selbst im hohen Alter ist Lilo Pöhlmann daran interessiert, was sich in ihrer Geburtsstadt abspielt: "Die Rundschau lese ich jeden Tag. Die bringt mir immer meine Tochter. Wenn die noch nicht da ist, dann bin ich irgendwie unruhig." Sie löst immer noch gern Kreuzworträtsel.

Mehr als dankbar ist Lilo Pöhlmann für die tägliche Pflege ihrer Familie, die mit im Haus wohnt und sich mit einer Nachbarin abwechselnd um sie kümmert. Die Glückwünsche der Stadt überbrachte Bürgermeister Ralf Hartnack, für den Landkreis Kulmbach gratulierte stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Werner Reißaus