Bernhard Panzer Spannend ist es allemal, wenn historische Stätten aufgegraben werden, um weitere Bauwerke oder wenigstens Spuren noch älterer Vergangenheit zu finden. In Herzogenaurachs Mitte steht das Schloss, dessen Ursprünge bis in die Stauferzeit zurückreichen, also bis ins 12 . Jahrhundert. Damals stand hier eine Wasserburg. In unmittelbarer Umgebung kann nun gegraben werden, nachdem das Rathaus abgebrochen worden ist.

Schon im letzten Jahr hat es Sondierungsarbeiten gegeben. Dabei wurden die relevanten Stellen gesichert und mit einer Vliesschlicht abgedeckt, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt. Die "richtigen" Grabungen haben nun begonnen - frei gelegt werden soll vor allem der Bergfried aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Die um die einstige Burganlage verlaufende Ringmauer ist in deutlichen Resten bereits freigelegt worden.

Rückblick

Einst stand im Herzen der Stadt eine Wehrburganlage mit mächtigem Bergfried und hoher Ringmauer. Die Burganlage wurde im 15. Jahrhundert ausgebaut und ein Schloss für den bischöflichen Vogt errichtet. Im frühen 18. Jahrhundert hat man den Amtssitz in barocker Form erneuert. Das geht aus der Aufstellung hervor, die Carolin Ordosch von der Stadtverwaltung zusammengetragen hat. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Heute ist das Herzogenauracher Schloss Teil des Rathausgebäudes und umrahmt teilweise das Gelände, auf dem in den nächsten Jahren das neue Rathaus gebaut wird."

Seit Beginn der Vorarbeiten im ehemaligen Schlosshof Anfang des Monats sind bereits erste Funde gesichert worden. Aufgetaucht sind Mauerreste und Keramikscherben aus dem 12. Jahrhundert. Die Pressemitteilung fasst diese Ergebnisse zusammen. Demnach wurde in den vergangenen zwei Wochen der mineralische Oberboden mit einer Tiefe von einem halben Meter unter Aufsicht der Archäologen abgetragen. Zu sehen sind nun die Reste der Burgmauer aus dem Spätmittelalter.

Der Bergfried folgt noch

In den nächsten Wochen wird es noch spannender: Dann soll der Bergfried freigelegt werden, der laut Marco Goldhausen bis in drei Metern Tiefe reicht. "Den Bergfried nutzten die Burgbewohner als Zufluchtsstätte bei Angriffen. Wir vermuten, dass das Untergeschoss des Turms als Verließ fungierte", erklärt der Archäologe.

Außerdem kam bei den Grabungen ein sogenannter hochmittelalterlicher Laufhorizont zu Tage, der sich im Innenhof der Burganlage befand. "Im Bereich des Laufhorizonts haben wir Keramikscherben aus dem 12. Jahrhundert geborgen", ergänzt Goldhausen.

Eine weitere interessante Erkenntnis: Beim Bau des Schlosses im 18. Jahrhundert sind Steine der Mauer und des Bergfrieds für den Neubau des Ostflügels verwendet worden. Die Ringmauer aus dem 15. Jahrhundert ist also auch mit großen Quadern aus dem 13. Jahrhundert befestigt.