Beim Gottesdienst am letzten Sonntag in der Christuskirche überraschte der Oberkirchenrat i. R. Gotthart Preiser die Gemeinde mit dem Hinweis, dass er vor genau 60 Jahren auf seiner ersten Stelle in Trös-tau/Oberfranken ordiniert worden sei. So wurde es für ihn selbst ein Festgottesdienst, bei dem erstmals der kleine Singkreis unter Leitung von Ute Pillhöfer auftrat. Außerdem wurde er von Preisers Tochter Elke Haagen sowie deren Tochter Lena und deren Ehemann Björn Pahl mit Solo- und Instrumentalmusik und von Hans Schott an der Orgel gestaltet.

Der Predigt von Gotthart Preiser lag ein Text des Evangelisten Matthäus zugrunde, den es beeindruckte, wie der mit göttlicher Vollmacht ausgestattete Jesus mit seinen Freunden so bescheiden durch die kleinen Dörfern Galiläas zog und zwischen Teppich- und Olivenhändlern vom gegenwärtigen Reich Gottes predigte. "Es war eine Kirche, die ganz bescheiden mit zwölf Personen anfing und die sich in gottloser Umwelt mutig zu ihrem Glauben bekannte. Dies ermutigt in der gegenwärtigen Situation einer sich verkleinernden Kirche jeden Christen dazu, ohne Minderwertigkeitskomplexe sich zu Jesus Christus zu bekennen und etwas von seinem liebevollen Handeln auf das eigene Leben abfärben zu lassen", so Preiser.

Am Tag darauf wurde das Jubiläum in einer landesweiten Feier in Ansbach begangen, wobei der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm jedem Jubilar ein Ordinationskreuz überreichte. "Dass ich den Beruf des Pfarrers gewählt habe, liegt mit daran, dass mein Vater Pfarrer war und ich frühzeitig eingebunden war", erzählte der Jubilar. "Ich war in der Kirche daheim, denn es war selbstverständlich, sonntags den Gottesdienst zu besuchen." Das Schönste an seinem Beruf sei gewesen, dass er immer gespürt habe, dass jüngere Pfarrer und Lektoren seine Ratschläge gerne annahmen und dafür dankbar waren. "Natürlich kann man nicht immer allen Erwartungen und Möglichkeiten gerecht werden und nicht alle Wünsche, auch wenn sie berechtigt sind, erfüllen", so Preiser weiter. Das Amt des Pfarrers war für ihn eine Hilfe, selbst Christ zu sein. "Der Glaube gibt mir die Lebensgrundlage und das Lebensziel. Denn es gibt Wichtigeres, als gut dazustehen und anerkannt zu sein. Vielmehr gibt es über den Tod hinaus das Ziel, bei Gott anzukommen, den ich verkündet habe." Preiser hat stets gepredigt, dass der Glaube für das Leben gut ist, auch wenn man die erwartete Hilfe Gottes nicht immer sieht. "Trotzdem hat jeder mit all seiner Unvollkommenheit seinen Wert und ist von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes getragen." Noch heute übernimmt er ehrenamtliche Predigtdienste in ganz Bayern, erstellt Arbeitshilfen und verfasst Lesepredigten.

Gotthart Preiser war nicht nur Pfarrer, er spielte immer wieder die Orgel in Eschenau. Mit dem Lehrer Hofmann gründete er den Posaunenchor Westheim-Eschenau, den er Jahre leitete. Früher gestaltete er mit der "Preiserband", in der viele Familienmitglieder spielten und sangen, Gottesdienste, teils mit den Nürnberger Bäckerposaunen. 1994 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Jugendarbeit. In seiner Freizeit kümmert sich Gotthart Preiser, der seit 61 Jahren mit seiner Frau Gertrud verheiratet ist, um seinen Garten. Das Ehepaar hat drei Kinder, sieben Enkel und drei Urenkel. ul