Kunst ist nicht nur sichtbar, sondern kann auch hörbar dargebracht werden. Am ersten Sonntag nach der Zeitumstellung im Hinterhof des Klosters in Kronach ist es um 18 Uhr bereits recht dunkel, aus den alten Fenstern der ehemaligen Klosterturnhalle ist ein Lichtschein zu sehen. An der alten Holztür des Ateliers von Maler Michael Huth hängt ein Schild mit der Aufschrift "Restlicht".

Im Inneren des Gebäudes, bereiten die Brüder Johannes und Tobias Schreiber - der eine Glasmaler, der andere Bildhauer - die Finissage ihrer Ausstellung "Restlicht" vor.

Seit dem letzten Jahr hat der Kronacher Maler Michael Huth hier sein Atelier. Ein bis zweimal im Jahr stellt er es Künstlerkollegen für eine Ausstellung zur Verfügung, den Anfang machten die "Schreiber Buben" mit ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung in Kronach. Tobias Schreiber, Bildhauer aus Kronach, stellt die figurativen Steinplastiken, wie einem Bär aus Muschelkalk, der einen Fisch gefangen hat und verspeist, einem traurigen Gorilla aus Diabas, oder einer nackten, in sich ruhenden Sitzenden aus Dolomit vor. Sein Bruder Johannes Schreiber, Glaskünstler aus Bamberg, setzte sich mit raumgreifenden Arbeiten, die sich mit Auflicht, reflektierendem Licht, mit dem Zwischenraum, in dem das Licht und auch die Form gefangen, ja gehalten wird, auseinander.

Höhepunkt des Abends war aber ein ganz besonderes Konzert mit experimenteller Musik durch "One Two Three Test". Was unterscheidet den wohltönenden Klang vom Geräusch? Das Geräusch, in diesem Fall das Schaben einer großen Glasscheibe an der Spindel einer "Allstar"-Glasschleifmaschine, deren Wasserpumpe sonor in G-Dur mit "99 beats per minute (bpm)" tönt. Hier entwickeln sich vielfältige Schwingungen des Schalls, gleich den Reflexionen der ausgestellten Glasarbeiten. Aus dem leisen Zirpen der Glaskante an dem Schleifkopf entwickelt sich ein Dröhnen und Scheppern, das den Raum füllt und Erinnerungen an die Musik Steve Reichs oder John Cages auslöst. Für die "gläsernen" Klänge ist Johannes Schreiber verantwortlich, dazu gesellen sich die Melodien des Fretlessbasses, unterlegt mit Loops und elektronischen Klängen und ihren Verzerrungen, gespielt von Alexander Schräpler aus Nürnberg und der E-Bass mit E-Bow und echtem Geigenbogen, gespielt von Dierk Berthel aus Rannungen. Das angekündigte Klangexperiment dürfte gemessen am Applaus der Besucher als gelungen bezeichnet werden.