Rote Köpfe, wacklige Beine, Seitenstechen und Füße, die sich fast wie Pflugscharen in den Erdboden fraßen: Der Schweiß floss in Strömen, als sich am Samstagnachmittag unter lautstarken Anfeuerungsrufen des Publikums sechs ambitionierte Mannschaften auf dem Giftinger Festplatz einen harten Wettkampf im Tauziehen lieferten. Das war der sportliche Höhepunkt der dreitägigen Feierlichkeiten zum 125. Jubiläum der freiwilligen Feuerwehr Gifting.
Sobald Wettkampfleiter Roland "Boxer" Jakob das Kommando "Zieh an" gab, legten sich die "Mucki"-Männer auf beiden Seiten mit ihrem ganzen Körpergewicht mächtig ins Zeug und zogen wie die Weltmeister. Als Sieger der beiden Vorrunden gingen die Mannschaften "Hou Ruck" Effelter sowie "Die Seilwinden" der Stockheimer Feuerwehr hervor.
Beim Showdown im Finale zeigten beide Mannschaften, warum sie bislang alle ihre Kontrahenten "weggezogen" hatten. Letztlich waren aber die starken Männer aus dem Bioenergiedorf nicht zu schlagen und durften unter riesigem Applaus ihrer Fans den Siegerpokal in die Höhe recken.
Eingeläutet wurden die Feierlichkeiten am Freitagabend mit einem großen Festkommers: Oliver Haag, Erster Vorsitzender der FFW Gifting, nannte in seiner Festansprache einige geschichtliche Eckdaten der Wehr, die am 16. Juli 1893 von 20 Männern des Ortes gegründet worden war. "Ohne sie wären wir heute nicht zu dieser feierlichen Stunde hier. Ich finde es sehr schön, dass es auch heute noch Mitmenschen gibt, die sich für andere einsetzen und ihre freie Zeit und auch manchmal ihre Gesundheit dem Gemeinwohl opfern", sagte er. Meilensteine waren 1981 die Fahnenweihe durch Pater Unger, der um 1960 angeschaffte Tragkraftspritzenanhänger und 1989 der Kauf einer Tragkraftspritze. Beide waren bis 2016 im Dienst. 1993 feierten die Kameraden das 100-jährige Bestehen in großem Rahmen. 2016 wurde die Wehr mit einer neuen Pumpe und einem neuen Tragkraftspritzenanhänger ausgerüstet.
"Noch immer geht es in unserer kleinen Ortsfeuerwehr beschaulich und bescheiden zu. So werden bei uns regelmäßige Übungen abgehalten, bei denen unsere Kameraden den Umgang mit dem Löschgerät trainieren. Wir sind stets auf festem Boden geblieben und haben uns niemals zu weit aus dem Fenster gelehnt", betonte Haag.
Die Schirmherrin des Jubiläums, Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD), bedankte sich für die ihr angetragene Schirmherrschaft. "125 Jahre selbstloser Einsatz, um anderen Menschen in Notlagen helfen zu können, verdient Lob und Anerkennung", berichtete sie würdigend. Die Feuerwehren seien nicht mit anderen Vereinen zu vergleichen, da sie selbstlos, ehrenamtlich und unter Einsatz ihres Lebens anderen helfen. Der Brandschutz sei zwar Pflichtaufgabe einer Gemeinde, wäre aber ohne die Freiwilligen Feuerwehren weder finanziell noch personell zu stemmen. Einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl gab sie der Wehr dann doch mit auf den Weg; wäre es doch schön, wenn zu der reinen "Männergesellschaft" einige Feuerwehrdamen hinzustießen. Im Namen des Landkreises Kronach würdigte Landrat Klaus Löffler den Einsatz aller Aktiven. Es sei gut, an die Vorfahren zu erinnern, die ein starkes Fundament geschaffen hätten. Besonders um die Wehr verdient gemacht hätten sich Herbert Böhm und Georg Münch, die jeweils fast drei Jahrzehnte an vorderster Stelle abwechselnd als Erster Vorsitzender bzw. Erster Kommandant Verantwortung trugen. "Die Wehren stellten ein wertvolles Stück Lebensqualität dar", würdigte Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger. Man könne nachts ruhig schlafen, in der Gewissheit, im Notfall schnelle und qualifizierte Hilfe zu erhalten.
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