Vieles ist einfach nur Gewohnheit. Da fragt man nicht groß nach: Mach ich hier gerade etwas falsch? Unterstütze ich mit dem Kauf dieses Pullovers Kinderarbeit in Bangladesch? Hat eine gestresste Hochleistungskuh die Milch für meinen Joghurt produziert? Ging es dem Schwein einigermaßen gut, bevor es zum Schnitzel wurde? Es gibt ja mittlerweile zig Label, die einem sagen: Das ist ein Bioprodukt, kauf es mit ruhigem Gewissen. Ökologisch. Nachhaltig produziert. Fair Trade. So dass der Pulloverkäufer zumindest annehmen darf, dass das Kind in Bangladesch anständig bezahlt wurde.

Aber es gibt so viele Label, dass man schnell den Überblick verliert und auch nicht immer sofort nachvollziehen kann, wer dieses Gütesiegel zu welchen Bedingungen vergibt und wer das prüft und welche Standards überhaupt gelten und sinnvoll sind und ob man der Umwelt nun wirklich einen Gefallen tut oder nur dem Labelinhaber und dem Produkthersteller.

In unseren komplexen, globalen Handelsstrukturen ist es nahezu unmöglich, alles fair, transparent und glaubhaft nachvollziehbar zu machen, das hat vor allem mit den unterschiedlichen Positionen und der Marktmacht der beteiligten Personen, Unternehmen sowie Kontrolleure und Behörden zu tun. Da wird es freilich immer Lücken und Ungenauigkeit geben.

Dennoch: Eine Orientierung braucht der Verbraucher, der sich obige Fragen stellt und auch Disziplin, weil er in einigen Bereichen Verzicht üben muss (jeden Tag Fleisch essen oder nur ein bis zwei mal die Woche? Welches Fleisch und was kostet das, kann ich mir das überhaupt leisten?). Labels geben im besten Fall verlässliche Orientierung.

Als diese Redaktion jüngst zusammensaß, stand das Thema Fasten zur Debatte. Logisch, die klassischen Ansätze zum Thema haben wir auch durchgekaut (siehe Artikel unten), doch unsere Volontärin Dunja Neupert griff dann die Idee auf, es doch mal mit Plastikfasten zu versuchen (siehe oben), und weiter, dass man Fasten auf nahezu alle Lebensbereiche übertragen kann, möglich ist etwa auch ein Smartphonefasten, ein Autofasten undsoweiter. 40 Tage sind dabei eine gute Zeitspanne, um sich mit alten Gewohnheiten und dem Weg hin zu neuen Gewohnheiten auseinander zu setzen. Weil das wird nötig sein: Sich etwas neues anzugewöhnen. Zum Beispiel eben den Verzicht auf Plastik oder besser: die Vermeidung von überflüssigem Plastikmüll.

Dafür gibt es übrigens auch ein Label: "Flustix" heißt es, und es ist "das erste eingetragene, europaweite Siegel für Plastikfreiheit". Gesehen hat es noch niemand aus unserer Redaktion. Kann sich ja bald ändern.