Der Ortsverein Lichtenfels der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte langjährige Mitglieder in die Gaststätte Wichert eingeladen, um sie für ihre 25-, 40-, 50- und 60-jährige Treue zu ehren. Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer bedankte sich bei den Jubilaren für ihre Treue und warf einen Blick zurück auf die Jahre 1959, 1969, 1979 und 1994, also auf die Jahre, in denen die zu ehrenden Frauen und Männer der Gewerkschaft beitraten.

Sie richtete ihr Augenmerk aber auch auf die Erfordernisse des zukünftigen gewerkschaftlichen Engagements, wie es erst kürzlich beim Bundeskongress in Leipzig für die nächsten vier Jahre beschlossen wurde. Dort sei nicht nur mit Frank Wernecke der neue Bundesvorsitzende gewählt worden, sondern es ging bevorzugt um die Kernaufgabe der Gewerkschaft, nämlich um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. So hätten die Delegierten gefordert, den prekären, d.h. unsicheren und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen, entschieden entgegenzutreten durch zügige Anhebung des Mindestlohns auf mindestens zwölf Euro, die Beendigung sachgrundloser Befristungen und langfristige Abschaffung der Leiharbeit.

Bei einem zweiten bedeutsamen Bereich, der Sozialpolitik, hätten die Delegierten wichtige Beschlüsse gefasst. So fordere Verdi, die Rente auf ein Niveau von 53 Prozent anzuheben, eine abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren und die Einführung einer Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung, denn sie sei eine Würdigung einer 35-jährigen Arbeitsleistung und dürfe nicht mit dem Partnereinkommen verrechnet werden.

Verdi stelle auch hochpolitische Forderungen. So fordere man die Einführung einer Vermögenssteuer, weil damit notwendige soziale Maßnahmen finanziert werden können. Weiter müsse der soziale Wohnungsbau den Grundstücksspekulanten entzogen werden, um wieder in die öffentliche Hand oder in die Hand von Genossenschaften gelegt zu werden, und es müsse von der Schuldenbremse abgerückt werden, um den Investitionsstau von Schulen über Krankenhäuser bis hin zum öffentlichen Nahverkehr anzugehen.

Mit dem Dank für ihr langjähriges Engagement für die Gewerkschaft leitete der Verdi-Bezirksvorsitzende Harald Kober aus Michelau zu den Ehrungen über, die er mit Doris Stadelmeyer und Mathias Eckardt vornahm. Unter den Geehrten befand sich auch Dieter Schneider, der bereits seit 60 Jahren der Gewerkschaft die Treue hält. 1958 begann er eine Lehre als Buchdrucker in der Kulmbacher Druckerei Schorsch und trat schon ein Jahr später in die Gewerkschaft IG Druck und Papier ein. Nach der dreijährigen Ausbildungszeit wechselte der Michelauer zur Lichtenfelser Druckerei H.O. Schulze. Nach dem Wehrdienst ging er noch einmal für drei Jahre zu seinem Ausbildungsbetrieb zurück, ehe er seine Lebensstellung bei der Sonnefelder Druckerei Werner Hofmann fand, für die er 36 Jahre bis zur Rente arbeitete. thi