Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: Im Landkreis Haßberge verdienen Frauen, die in Vollzeit arbeiten, 22 Prozent weniger als Männer. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am kommenden Freitag, 8. März, mitgeteilt. Sie verweist hierbei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle im Kreis Haßberge auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 3298 Euro pro Monat - Frauen hingegen nur auf 2581 Euro.

In Bayern beträgt der Verdienstunterschied bei Vollzeit laut NGG zwischen den Geschlechtern 17 Prozent (Männer: 3556 Euro, Frauen: 2968 Euro). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen häufig hätten, insbesondere aber an der mangelnden Zahlungsbereitschaft von Unternehmen, so die NGG Unterfranken.

Der Gewerkschafter Ibo Ocak spricht von einer "Diskriminierung per Lohnzettel". Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren zögen, so der NGG-Regionalchef. "Dabei sind es immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem langen Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern. Und das unbezahlt."

Auch deshalb seien sie oft gezwungen, weniger zu arbeiten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktuell 78 Prozent aller Teilzeitstellen im Landkreis Haßberge weiblich besetzt. "Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass sie nur eine halbe Stelle haben - oder noch weniger", rügt Ocak. Allein das Gastgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur im Kreis 1130 Minijobber, davon 860 Frauen.

Die Folgen seien spätestens im Rentenalter "dramatisch", so die NGG. "Wer über Jahrzehnte wenig verdient und etwa wegen Kindern Unterbrechungen im Erwerbsleben hat, der bekommt kaum Rentenpunkte. Das führt dann zu Armutsrenten, die der Staat aufstocken muss", betont Ocak. Am Ende zahlten Steuerzahler die Quittung für die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt, sagt er. Damit müsse Schluss sein. "Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen."

Die Möglichkeit dazu biete zwar das sogenannte Entgelt-transparenzgesetz, das seit gut einem Jahr gilt. Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern das Recht zu erfahren, was ein Kollege in vergleichbarer Position verdient. Chefs müssen dann bestehende Unterschiede abschaffen. Doch laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wird das Gesetz bisher kaum genutzt. Nach Einschätzung von Ibo Ocak liegt das auch daran, dass kleine Betriebe vom Gesetz ausgenommen sind, "obwohl die Lohnunterschiede dort besonders groß sind". Die NGG macht sich für einen gesetzlichen Anspruch auf "gleiches Geld für gleiche Arbeit" stark. ft