Die Kreistagsfraktion der Kronacher SPD beschäftigte sich auf ihrer jüngsten Sitzung mit den Herausforderungen, die das neue Nahverkehrskonzept des Landkreises mit sich bringen. Dazu hatte sich die Fraktion laut einer Pressemitteilung fachkundige Unterstützung eingeladen.
Marita Nehring, ÖPNV-Beauftrage für die Stadt und den Landkreis Coburg, referierte über die Erfahrungen und Vorgehensweisen im Nachbarlandkreis. Insbesondere der zeitliche Vorlauf und der Zuschnitt der Linien auf die Kreisstadt Coburg brachte die Kronacher Kreisräte zum Nachdenken. "Entscheidend wird sein", so die Verkehrsexpertin, "welche Ziele sich der Landkreis Kronach im Nahverkehrsplan geben will."


Ergänzung

Wie auch in Landkreis Kronach geplant, wurde das Linienbussystem in Coburg um sogenannte Rufbustaxis ergänzt. Richard Rauh stellte heraus, dass sich der Kreistag Kronach bereits im Jahr 2014 mit der Thematik beschäftigt hatte und der Start Ende 2015 erfolgen sollte.
Leider sei das aber wegen fehlender Anbieter und der angedachten Preisgestaltung damals gescheitert. "Mit der Mobilität steht und fällt die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum", ergänzte SPD-Kreisvorsitzender ralf Pohl.
Ein besonderes Anliegen war Nehring, die Herausforderungen des Linienverkehrs und des Schülerverkehrs miteinander zu beplanen. Hier sei anfänglich auch in Landkreis Coburg nicht alles rundgelaufen, mittlerweile habe man aber einen Schülerverkehr, der von allen Seiten gelobt werde. Erfreut zeigt sich die Referentin, dass es zu einen Zuwachs von Fahrten im Landkreis Coburg gekommen sei, obwohl die Schülerzahl abgenommen habe.
Auf das Thema einer durchgehenden Busverbindung der Stadt Coburg in die Stadt Kronach angesprochen, berichtete sie, dass es nur dann funktionieren könne, wenn für den Fahrgast eine erträgliche Fahrzeit übrig bliebe. Das könne jedoch nur sichergestellt werden, wenn der Bus ohne Haltestellen und Wartezeiten die B 303 nutzen würde. Ansonsten wäre der Pkw oder auch die Bahn die schnellere Alternative. Allerdings laufen derzeit Gespräche über landkreisübergreifende Linien, da es hierfür auch Fördermöglichkeiten des Freistaats gibt.


Hausaufgaben zu machen

Einen weiteren Aspekt stellte Nehring heraus. Bis zum Jahr 2022 soll der gesamte ÖPNV barrierefrei bedient werden können. Hierzu seien von vielen Kommunen noch Hausaufgaben zu machen. Eine Forderung sei beispielsweise der Einsatz von Bussen mit Neigetechnik, die allerdings einen 18 Zentimeter hohen Bordstein benötigen. Das Angebot des ÖPNV habe sich seit der Übernahme durch die Stadt und den Landkreis Coburg deutlich gebessert, resümierte ÖPNV-Expertin Marita Nehring abschließend.
Die Kronacher Kreisräte diskutierten im Anschluss, inwieweit die gewonnenen Erkenntnisse auch auf den Landkreis Kronach anzuwenden wären. Heinz Köhler stellte heraus, dass man sich auf zwei Knotenpunkte beispielsweise Kronach und Steinbach am Wald für eine Querverbindung konzentrieren müsse.
Dietmar Schmidt sprach sich für eine moderate Preisgestaltung aus, um die Akzeptanz nicht zu gefährden. Mit einem Start sei aber nicht vor Ende Dezember 2019 zu rechnen, so Richard Rauh, da wegen Auslaufen der Konzessionen mit den Ausschreibungen erst Ende 2018 begonnen werden dürfe. "Wer die Daseinsvorsorge ernst nimmt, der muss auch Geld dafür bereitstellen, betonte Kreisvorsitzender Ralf Pohl abschließend. red