Zum Bericht über die jüngste Untersteinacher Bürgerversammlung in der BR vom Samstag, 14. Juli: "Einige zweifeln die Zahlen an":

Es gibt Gesetze, die in ganz Deutschland gültig sind - also auch in Oberfranken und in Untersteinach. So z.B. das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), dessen Paragraf 50 Abs.2 wie folgt lautet:
"Der Wasserbedarf der öffentlichen Wasserversorgung ist vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken, soweit überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit dem nicht entgegenstehen. Der Bedarf darf insbesondere dann mit Wasser aus ortsfernen Wasservorkommen gedeckt werden, wenn eine Versorgung aus ortsnahen Wasservorkommen nicht in ausreichender Menge oder Güte oder nicht mit vertretbarem Aufwand sichergestellt werden kann."
Renommierte Verwaltungsjuristen verdeutlichen diese Rechtsbestimmung in einem ausführlichen Kommentar zum Wasserhaushaltsgesetz. Darin stellen sie klar, dass es den Gemeinden eben nicht freisteht, sich entweder für eine ortsnahe Wassergewinnung oder für einen Anschluss an eine Fernwasserversorgung zu entscheiden. Der Rückgriff auf ortsferne Wasservorkommen darf nämlich nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen: "Ein schlichtes Überschreiten der Kosten der Eigenwasserversorgung gegenüber den Kosten des Fernwasserbezugs rechtfertigt keine Abweichung vom Grundsatz der ortsnahen Wasserversorgung. WHG Paragraf 50 Abs. 2 weist primär eine ökologische Zielsetzung auf, die eine nur nachrangige Berücksichtigung ökonomischer Faktoren fordert."
Ja, das Wasserhaushaltsgesetz lässt Ausnahmen zu Gunsten eines Anschlusses an eine Fernwasserversorgung zu. Aber nur dann, wenn sich ortsnah nicht genügend Trinkwasser in ausreichender Güte fördern lässt oder wenn dies mit einem "unvertretbaren Aufwand" verbunden wäre: z. B. wenn unverhältnismäßig überteuert erst nach Wasser gesucht werden müsste. Das ist in Untersteinach jedoch nicht der Fall: Aus dem Brunnen "Pressecklein" kann und darf auf absehbare Zeit Wasser mit vertretbarem Aufwand gefördert werden.
Der Grundsatz der vorrangig ortsnahen Wasserversorgung vermindert zudem Transportverluste und hohen Energieaufwand bei der Beförderung.
Dass Wasser aus einem Tiefbrunnen anders als Oberflächenwasser aus einem Stausee die Verbraucher auch zusätzlich z. B. vor Verkeimung schützen kann, mag den Gesetzgeber ebenfalls zur ortsnahen Versorgung mit Trinkwasser bewegen. Auch darüber sollten sich Bürgermeister, Gemeinderäte und Gemeindeverwaltung Gedanken machen, bevor sie eine Entscheidung treffen, die vorhersehbar juristisch nicht haltbar ist.


Bernhard Herrmann
Untersteinach