Der junge Angeklagte (20) verhielt sich äußerst verschlossen und wortkarg. Die Anklage lautete auf unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln. Dazu verweigerte er jede Aussage. Als Beschuldigter ist das sein gutes Recht. Doch aufgrund der schlüssigen Zeugenaussage eines Polizeibeamten hatte das Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt keinen Zweifel an seiner Schuld. Da der Heranwachsende derzeit arbeitslos ist, verkündete Jugendrichter Martin Kober nach kurzer Verhandlung das rechtskräftige Urteil: Bis 25. August muss er 40 gemeinnützige Arbeitsstunden auf Weisung des Kreisjugendamtes ableisten.
Laut Anklageschrift, verlesen von Staatsanwältin Andrea Götz, fanden die Beamten das Rauschgift heuer am 11. März kurz vor 19 Uhr abends. Die Polizei führte damals in der Kreisstadt am Kreisel bei der Feuerwehr Verkehrskontrollen durch. Der dabei eingesetzte Polizist erläuterte im Zeugenstand, dass ihm und seinem Kollegen ein Fahrzeug mit zwei jungen Insassen aufgefallen war. Daraufhin hefteten sie sich mit ihrem Streifenwagen an die Fersen der verdächtigen Burschen.
Als diese bemerkten, dass sie von der Polizei verfolgt wurden, stoppten sie ihr Auto, rissen die Türen auf und rannten in entgegengesetzter Richtung davon. Sofort hielten auch die beiden Polizisten, sprangen aus ihrem Dienstfahrzeug und nahmen die Verfolgung auf, wobei jeder Uniformierte hinter einem der beiden hersprintete. Der Zeuge schilderte, wie er den Angeklagten verfolgt und schließlich eingeholt hatte.


Verdächtiges Tütchen

Obwohl es schon ziemlich dunkel war, hatte der Beamte bemerkt, dass der Beschuldigte im Lauf irgendetwas fallen ließ. Nachdem er ihn eingeholt hatte, hielt er ihn erst einmal fest, um seine Personalien festzustellen. Unmittelbar danach suchte er den gesamten Fluchtweg genau ab und fand tatsächlich das Corpus Delicti: ein Tütchen mit weißem Pulver, das sich als Amphetamin, auch unter dem Begriff Speed oder Pep bekannt, herausstellte. Wie schon damals bei der Polizeidienststelle ließ sich der Mann auch vor Gericht dazu kein Wort entlocken.
Die Ausführungen des Jugendgerichtshelfers Franz Heinrich beleuchteten vor allem den schulischen und beruflichen Werdegang des nicht vorbestraften 20-Jährigen. Immerhin gelang dem jungen Mann nach seinem erfolgreichen "Quali" in der Regelschule der Sprung auf eine höhere Schule, wo er vor einem Jahr sogar die Mittlere Reife schaffte. Trotz dieser guten Ausgangsposition und vielen offenen Ausbildungsstellen misslang der Übergang zu einer sinnvollen beruflichen Perspektive. Der Pädagoge vom Jugendamt sprach von einer "lethargischen Haltung", die möglicherweise mit dem Rauschgiftkonsum zusammenhänge.
Da der bei seinen Eltern im Landkreis Haßberge wohnende Angeschuldigte momentan arbeitslos ist, empfahl die Jugendgerichtshilfe dem Gericht, das Jugendstrafrecht anzuwenden und gemeinnützige Arbeitsstunden aufzuerlegen. Die Staatsanwältin schloss sich in ihrem Plädoyer diesem Vorschlag an und forderte 40 Arbeitsstunden als Denkzettel mit erzieherischer Wirkung. Der Jugendrichter Martin Kober übernahm dieses Strafmaß in seinem Richterspruch, den der Verurteilte regungslos zur Kenntnis nahm.