Es gibt viel größere Gemeinden als Altendorf, Buttenheim und Pettstadt, die von einer flächendeckenden Glasfaserversorgung nur träumen können. In den drei genannten Kommunen des Landkreises Bamberg aber verfügen seit kurzem nahezu alle bebauten und unbebauten Grundstücke über diesen leistungsstarken Anschluss an das www: Weltweit im Internet streamen, "ruckelfrei" die Mediatheken genießen, große Datenmengen in kurzer Zeit versenden oder empfangen, virtuell auf höchste Berge steigen und an einer Online-Schulung im Motorsägen teilnehmen, das ist bei 100 Mbit kein Problem. Oder auch: Drei Bürgermeister, Karl-Heinz Wagner (Altendorf, CSU), Michael Karmann (Buttenheim, ZWdG/CSU) und Jochen Hack (Pettstadt, FWG), verknüpfen sich zu einer Videokonferenz und folgen der Einladung zu einer gediegenen Abschlussfeier mit den am BürgerNet-Projekt Beteiligten bei Freibier und Lendenbraten.

Rechnung geht auf

Schwein gehabt, erkannten die Teilnehmer jener Veranstaltung in der Pettstadter Schulturnhalle dann auch, als ihnen aus berufenem Munde versichert wurde: "Zu den Preisen, zu denen Altendorf, Buttenheim und Pettstadt ihr Glasfaserprojekt verwirklichten, gibt's das nicht mehr." Inzwischen seien allein die Tiefbaupreise um 50 bis 100 Prozent gestiegen. Pettstadts Bürgermeister Jochen Hack, Banker im Hauptberuf, reibt sich die Hände: Die Rechnung geht auf. Es wurden Eigenbetriebe gegründet, zu äußerst günstigen Konditionen Kredite aufgenommen, die teils europaweiten Ausschreibungen brachten noch erträgliche Angebote, die Grundbesitzer in den Gemeinden sagten im erforderlichen Umfang Hausanschlüsse zu und schließlich hatte man mit den beauftragten Bau-, Ingenieurs- und Kabeltechnikfirmen Glück.

Nur Pettstadt hatte auch Pech: Zum einen kappte die Tiefbaufirma gleich am ersten Arbeitstag eine Hauptleitung ausgerechnet der Telekom, und dann verdünnisierte sich das Unternehmen nach halber Arbeit, um woanders einen lukrativeren Auftrag zu übernehmen. Ein leistungsfähiger Ersatz war trotzdem rasch gefunden, so dass drei Jahre nach dem Start des BürgerNet-Projektes 2164 Gebäude und Grundstücke direkt an das Glasfasernetz angeschlossen sind, davon 1048 in Buttenheim, 583 in Pettstadt und 533 in Altendorf.

Buttenheim wandte dafür rund vier Millionen Euro auf, die beiden anderen je zwei Millionen. Die entsprechend hohen Kredite werden über 30 Jahre Laufzeit bedient und getilgt, wenn möglich vorzeitig. Am Ende gehören die Glasfasernetze den Gemeinden, die sie weiter verwerten können. Ein wichtiger Aspekt und finanzieller Vorteil gegenüber den Angeboten der großen Anbieter, die allerdings die kleinen Landgemeinden mit der Aufrüstung von Kabelverzweigern schier ewig vertrösten.

Leitungen verlängert

Ein unverzichtbarer Partner bei dem Vorhaben war die Stadtnetz Bamberg GmbH, die schon eine Leitung nach Forchheim verlegt hatte, was gut für Altendorf und Buttenheim war. Nach Pettstadt wurde aus dem Bamberger Ortsteil Bug eine Glasfaserleitung vergraben. Stadtnetz-Geschäftsführer Hans Jürgen Bengel lobte das Engagement sowie die Weitsicht der drei Gemeinden und ihrer Bürger: "Da kennt man sich untereinander, da klappt das." In Bamberg sei so etwas nicht möglich.

Glückwünsche zur nachhaltigen Verbesserung der Infrastruktur übermittelten Landrat Hans Kalb und Oberbürgermeister Andreas Starke. Kalb wünschte, dass diesem Vorbild andere kreisangehörige Gemeinde folgen mögen und Starke nannte das Projekt beispielhaft für die Zusammenarbeit des Oberzentrums mit seinem Umland.

Begrüßt wird das schnelle Internet nicht nur von den Gewerbebetrieben in den beteiligten Gemeinden, die sich jetzt schon Surfgeschwindigkeiten von 500 Mbit "einkaufen" können. Sobald die entsprechenden Router auf dem Markt sind, eventuell noch in diesem Jahr, sollen die BürgerNet-Kunden mit Geschwindigkeiten von einem Gigabit surfen können, kündigt Stadtnetz Bamberg an.

Auch die Gemeindeverwaltungen und die Bürger profitieren. Da das Internet jetzt erst so richtig Spaß macht, entschließen sich offenbar auch immer mehr ältere Altendorfer, Buttenheimer und Pettstadter, sich diesem Medium zu widmen. Entsprechend stark frequentiert sind die Kurse, die die Kolping-Akademie in den drei Gemeinden anbietet. Da geht es um Rat zur richtigen Hardware bis hin zu Themen wie Datensicherheit und Speicherlösungen in der Cloud.

"Wir sind für die nächsten Jahrzehnte gut aufgestellt", freuen sich die Bürgermeister Karmann, Wagner und Hack. Ihr Dank zum Abschluss richtete sich nicht nur an die beteiligten Firmen, sondern auch an das Verwaltungspersonal in den Rathäusern für die geleistete Mehrarbeit und an die Multiplikatoren, die bei den Bürgern erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet haben.