Die Gemeinde Sand will ihre Potenziale im Innenbereich nutzen. Sie strebt, wie sie mitteilte, eine höhere Rendite für Eigentümer durch Aktivierung ihres Leerstandes an. Ein externes Planungsbüro berät die Gemeinde und die Bürger bei den Innerort-Bemühungen.

Sand ist als Wohnortgemeinde attraktiver denn je. Zum einen liegt dies an der günstigen Lage und der guten Straßenanbindung an die Oberzentren Bamberg und Schweinfurt, zum anderen verfügt die Gemeinde über eine gute Infrastruktur mit Kindertagesstätten und Grundschule, Sportstätten sowie Freizeitangeboten durch die Vereine. Gerade für junge Menschen, die Familien gründen und entsprechende Unterstützung benötigen, hat Sand viel zu bieten.

Aber auch ältere Menschen sind medizinisch und durch Freizeitangebote gut versorgt. "Für die Einrichtung einer Tagespflege für ältere Menschen laufen derzeit vielversprechende Verhandlungen", schreibt die Maintalgemeinde weiter in ihrer Pressemitteilung.

Die Gemeinde ist in der Vergangenheit sparsam mit ihrer kleinen Gemarkungsfläche umgegangen. Für die Vergabe von Bauplätzen durch die Gemeinde wurde ein Einheimischen-Modell angewendet, das Ortsansässige bevorzugte, dafür jedoch eine Bauverpflichtung innerhalb von zwei Jahren beinhaltete. Durch diese Vorgehensweise wurde der Flächenverbrauch eingedämmt. Die Bevölkerung wuchs langsam und organisch. Es entwickelte sich eine gute Verbindung der Neuzugezogenen zu den Ortsansässigen. Reine Schlafsiedlungen wurden laut Gemeindeangaben vermieden.

In der Unteren Länge (Richtung Knetzgau) ist deutlich zu sehen, wie groß die Nachfrage nach Bauplätzen in Sand ist. Kaum war der Asphalt kalt, wurden die ersten Häuser gebaut. Inzwischen macht das Siedlungsgebiet schon einen geschlossenen Eindruck.

Nachdem die Gemeinde über keine eigenen Bauflächen verfügt, die Nachfrage nach Bauland in Sand aber nach wie vor groß ist, muss die Gemeinde entscheiden, wie sie die weitere Entwicklung steuern will. Dazu gehören die Nutzung von Leerständen im Altort, die Aktivierung von Baulücken, die schon seit Jahrzehnten brachliegen, sowie auch die mögliche Ausweisung weiterer Baugebiete.

Um sich bei der Erhebung der Innenentwicklungspotenziale und der Entscheidung über die weitere Entwicklung des Ortes professioneller Unterstützung bedienen zu können, hat die Gemeinde die Aufnahme in das Sonderprogramm der bayeri-schen Staatsregierung beantragt und auch erreicht. Sie erhält die Höchstförderung für Gemeinden bis 5000 Einwohner in Höhe von 15 000 Euro.

Das Planungsbüro Wegner (Veitshöchheim) hat im Februar dieses Jahres mit einer Bestandsaufnahme begonnen und die ersten Ergebnisse und die weiteren Planungsschritte in einer Informationsveranstaltung am vergangenen Dienstag, zu der rund 50 interessierte Bürgern erschienen waren, erläutert. Danach sind 64 Baulücken vorhanden, bei 37 Grundstücken ist eine Nachverdichtung möglich. Außerdem besteht noch Potenzial für Gewerbeflächen. Auch durch Änderungen bei den Festsetzungen des Bebauungsplans können weitere Flächen zur Bebauung gewonnen werden.

Zunächst werden mittels eines Fragebogens die Eigentümer der erhobenen Potenzialflächen über ihre Absichten zur Nutzung befragt. Angeboten wird dabei auch eine Beratung, wie sie ihr Grundstück in Wert setzen können. So können sie zum Beispiel den Wert ihres Grundstückes als Kapital einbringen und in der zu errichtenden Immobilie Eigentum erwerben und eine Rendite erzielen.

Darüber hinaus wurde ein Informationsblatt "Innenentwicklung - Möglichkeiten und Chancen" erstellt, das an alle Haushalte verteilt wird. Darin sind Problemstellung und Lösungsansätze zusammengefasst und Ansprechpartner benannt. Alle, die an der Weiterentwicklung der Gemeinde Sand interessiert sind, sollten sich damit auseinandersetzen, bittet die Gemeinde. Das Planungsbüro Wegner kündigte an, dass der Fragebogen in den nächsten Tagen zugestellt werde.

Das Innenentwicklungsprojekt der Gemeinde Sand geht somit über eine Bestandsaufnahme und eine reine Verkaufsbörse hinaus: Es verschafft dem Grundstückseigentümer zusätzliche Perspektiven. Beraten lassen können sich auch alle anderen Eigentümer, die sich Gedanken über eine spätere Nutzung ihrer Immobilie machen.

Der gestiegene Flächenbedarf hat verschiedene Gründe. Einer davon ist der durch den Wohlstand gestiegene Bedarf an Wohnraum. Lag dieser 1950 in Deutschland noch bei 15 Quadratmetern je Bewohner, so liegt er heute bei 47 Quadratmetern. Verbunden mit dem Anstieg der Bevölkerung von 2010 Einwohnern im Jahre 1958 auf derzeit 3122 Einwohner bedeutet dies für Sand eine Zunahme der Wohnbebauung von 26 Hektar auf 125 Hektar. Gleichzeitig sank die Siedlungsdichte von 77 auf 25 Einwohner je Hektar.

Als Folge der Zunahme der Bevölkerung bei gleichzeitig erhöhtem Raumbedarf je Einwohner werden in Bayern täglich etwa zwölf Hektar Landschaft überbaut - Flächen, die für Tiere und Pflanzen, Klima und Landwirtschaft, aber auch für die Erholung von maßgeblicher Bedeutung sind. "Die Aktivitäten der Gemeinde Sand sind ein bescheidener Beitrag, dieser Entwicklung entgegenzuwirken", betont die Gemeinde. red