Die ehemals selbstständige Gemeinde Haßlach bei Kronach, die im Rahmen der Gebietsreform noch in der Freiwilligkeitsphase ihre kommunale Selbstständigkeit aufgab und seit dem 1. Januar 1975 in die Gemeinde Stockheim integriert ist, kann auf eine durchaus interessante geschichtliche Entwicklung zurückblicken. Diese war ganz entscheidend geprägt vom Schloss, von der Schneid- und Mahlmühle sowie vom Wirtschaftshof.

Geschichtsträchtige Ära

Ein aussagestarkes Gemälde erinnert nun im Stockheimer Rathaus dank der Initiative von Heimatkundler Georg Heinlein, der das Bild der Gemeinde gestiftet hat, an diese geschichtsträchtige Ära. Der Stockheimer Hobbymaler Harald Popig hat den baulichen Zustand des einstigen Schlosses von 1570 maltechnisch umgesetzt und damit die Vergangenheit wieder ins Bewusstsein gerückt. Bürgermeister Rainer Detsch (FW), der beiden Idealisten für diese Initiative dankte, zeigte sich beeindruckt von der herrschaftlichen Pracht der einstigen fränkischen Reichsritterschaft. Seit 1400, schreibt Wissenschaftler Helmut Dematio, im Historischen Atlas von Bayern, wird Haßlach als Rittergut derer von der Cappel in den Bambergischen Lehenbüchern greifbar. 1435 ist darin erstmals auch ein "Sitz zu Haßlach" bezeugt.

Noch vor dem Tod des letzten Angehörigen derer von der Cappel, Georg Wolfgang von der Cappel, der keine männlichen Nachkommen hatte, übernahm das Hochstift Bamberg 1631 unter Fürstbischof Johann Georg II. in Bamberg das Rittergut Haßlach.

Heldenhafte Verteidigung

Kurz zuvor war ebenfalls das Rittergut Stockheim dem Hochstift anheimgefallen. Unter Umwandlung in Bürgermannlehen wurden die beiden Rittergüter 1639 an die Stadt Kronach übertragen. Die Schenkung an Kronach war Ausdruck des Dankes von Bischof Franziskus von Hatzfeld für die heldenhafte Verteidigung Kronachs gegenüber den schwedischen Angriffen von 1632/33.

Nur wenige Heimatkundler hatten Kenntnis davon, dass einst ein Schloss die Keimzelle der Haßlacher Dorfgemeinschaft bildete. Lediglich Insider hatten Einblick in eine Zeichnung von 1570 sowie in eine Belagerungsskizze bei den schwedischen Überfällen 1632. In diesen historischen Darstellungen wird ein Schloss mit vier Türmen, von einem Wassergraben umgeben, dargestellt.

1989 wurde die Vergangenheit wieder allgegenwärtig. Unter der Leitung von Stephan Vierboom von der Universität Bamberg konnten mit finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Stockheim und den Landkreis Kronach im Bereich der Anwesen Rauh und Hoh Teile der Außenmauer sowie zwei Rundtürme im Süden der Anlage nachgewiesen werden. Die Sandsteinfundamente der Türme sind auf einem Holzgitter errichtet, das auf etwa 120 Zentimeter langen Holzpfählen ruht. Die Turmfundamente haben einen äußeren Durchmesser von sechs Metern und einen Abstand zueinander von 30 Meter.

Datiert auf 1540

Die Wissenschaftler haben die Bauphase in etwa auf 1540 datiert. Aus dieser Zeit konnten auch Tonscherben sichergestellt werden. Es muss deshalb, so die Experten, eine schlichte Sumpfburg gegeben haben, die die zwei vorbeiführenden Geleitstraßen beziehungsweise Handelswege absicherte.Tatsächlich wurde bereits 1525 während des Bauernkriegs von der Beschädigung einer Burganlage berichtet.

Das aus mächtigen Sandsteinen erbaute Schloss, das 1632 und 1633 durch schwedisch-coburgische Söldnerheere zerstört wurde, wurde in der Folgezeit zum Steinbruch für den Hausbau.

Doch auch Wirtschaftshof und Mühle sind nicht mehr im Originalzustand erhalten. Wie die Nachforschungen von Georg Heinlein ergaben, ist der Wirtschaftshof mit der alten Hausnummer 6 im Jahre 1717 neu aufgebaut worden. Die Mühle, die 1523 urkundlich erstmals erwähnt wurde, ist während des Dreißigjährigen Kriegs ebenfalls zerstört worden. 1670 kaufte Hans Parnickel, Müller von Pressig, von der Stadt Kronach die Hofstatt für 50 Gulden.

In den folgenden Jahren entstand eine neue Mühle nebst Mühlgraben. 1773 erfolgte dann eine grundlegende Erneuerung. Im Jahre 2006 sanierte Besitzer Alfred Hoh die Haßlacher Mühle, die zwischenzeitlich von Klaus Scherer aus Baunach erworben wurde.